SWR2 New Talent Elin Kolev im Portrait "Glasklar die Töne"

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Alle Zeichen stehen auf Musik. Der 20-jährige Geiger Elin Kolev macht in Karlsruhe demnächst seine Examina, doch ist er als Künstler schon profiliert.

SWR2 New Talent Elin Kolev (Violine) (Foto: Elin Kolev - Marion Koell)
SWR2 New Talent Elin Kolev Elin Kolev - Marion Koell

Geboren wurde er unter einem ausgesprochen guten Stern: am 17. Dezember 1996, also am Tag der Taufe von Ludwig van Beethoven, dessen genaues Geburtsdatum nicht bekannt ist. Und mit 17 Jahren spielte der junge Geiger Elin Kolev erstmals das einzige Violinkonzert von Beethoven, über dessen Wiedergabe die Presse jubelte: »glasklar die Töne, auf den Punkt gesetzt die Tempiwechsel, die Nuancen akkurat herausgearbeitet: ein begnadeter Musiker.«

Auch Kolevs Geburtsort ist von hohen musikalischen Würden – Zwickau, die Heimatstadt von Robert Schumann, die ihrem großen Sohn ein Museum mit der umfangreichsten Sammlung der Familien Schumann und Wieck eingerichtet hat. Und schließlich Kolevs Eltern: beide sind Geiger in sächsischen Orchestern.

Mit fünf Jahren erhielt er seinen ersten Unterricht am Robert-Schumann-Konservatorium in Zwickau, mit zehn wechselte er als Jungstudent an die Musikhochschule in Leipzig, wo er von Carolin Widmann betreut wurde. Und mit vierzehn Jahren nimmt er die regelmäßigen Strapazen von fast tausend Kilometern Hin- und Rückreise auf sich, um ebenfalls als Jungstudent bei Josef Rissin an der Musikhochschule in Karlsruhe in die Lehre zu gehen. Dort macht er demnächst seine Examina.

Zweite Karriere als Schauspieler

Eines will Elin Kolev allerdings nicht sein: ein Wunderkind. »Solche Begriffe sind doch Marketing-Schubladen, ich kann damit nichts anfangen«, sagte der erst Vierzehnjährige mit überraschender Ernsthaftigkeit in einem Interview. Dass er als Wunderkind etikettiert wird, verdankt er nicht nur seinen frühen Auftritten und Wettbewerbs-Erfolgen.

Als »Wunderkind« startete Elin Kolev seine zweite Karriere als Schauspieler in dem Film »Wunderkinder« von Artur Brauner. Unter 400 Mitbewerbern gewann er 2010 das Casting für die Hauptrolle. Auch das Major-Label Sony wurde sogleich auf den doppelt begabten Jungstar aufmerksam und produzierte mit ihm seine erste CD.

Kurze Zeit später übernahm Elin Kolev in dem Film »Orchestra of Exiles« von Josh Aronson die nächste, prominente Rolle als Darsteller des jungen, polnischen Geigers Bronislav Hubermann, der 1935 das Palestine Orchestra gründete. Eine gewisse Ähnlichkeit ist den beiden Geigern in der Tat nicht abzusprechen. Ein dritter Film ist derzeit in Planung.

Keine Selbstinszenierung

Elin Kolev liebt die Bühne, aber er trennt sehr bewusst zwischen dem Schauspieler und dem Geiger. Sich mimisch oder körperlich beim Musikmachen zu entäußern, ist überhaupt nicht sein Fall. Ein zweiter David Garrett zu werden, liegt ihm sehr fern. Fest verankert steht er auf der Konzertbühne, ganz konzentriert auf die Musik.

»Er tänzelt nicht während seines Spiels, um den Takt effektvoll zu unterstreichen, sondern bewegt sich wenig, und die absolute Hingabe an sein Spiel findet sich in seinen Augen wieder«, stellte der Münchner Merkur nach einem Konzertauftritt fest. Es ist genau diese Besonnenheit, die Kolevs Spiel auszeichnet. Er macht keine Show, inszeniert sich nicht selbst, sondern lenkt die Aufmerksamkeit des Zuhörers direkt auf die Musik und ihre Emotion. Solch einem Künstler sieht und hört man gerne zu.

Wobei Kolev gelegentlich auch einen spitzbübischen Charme entwickelt, wenn er etwa Paganinis Saiten-Akrobatik mit einem Schuss Understatement vorexerziert. Keine Frage, Kolev ist ein Virtuose vor dem Herrn, spieltechnisch scheint er keine Grenzen zu kennen. Und für den schönen Ton sorgt nicht zuletzt das Instrument, das ihm die Albert-Eckstein-Stiftung zur Verfügung stellt: eine Violine des florentinischen Geigenbauers Lorenzo Carcassi von 1749.

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