Kunstfreiheit Russischer Theater- und Filmregisseur Kirill Serebrennikov ist frei

Er stand trotz internationaler Proteste mehr als anderthalb Jahre unter Hausarrest. Mit Einschränkungen wurde dieser nun völlig überraschend aufgehoben. Die Staatsoper Stuttgart, für die er auch arbeitete, begrüßte die Entscheidung des Gerichts.

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Der russische Theater- und Filmregisseur Kirill Serebrennikov ist vorläufig auf freiem Fuß, bis über die Vorwürfe wegen Unterschlagung endgültig entschieden ist. Für den ehemaligen Chefdramaturgen an der Stuttgarter Oper, Sergio Morabito, ein Zeichen für die "Unberechenbarkeit des russischen Rechtsstaats". Serebrennikov sei kein politischer Regisseur, sage aber offen seine Meinung. Der russische Staat habe signalisieren wollen, dass auch renommierte Persönlichkeiten des Kulturlebens vor Verfolgung nicht sicher seien.

Der 49-Jährige darf die Stadt aber nicht unerlaubt verlassen, meldete die Agentur Interfax am Montag, 8. April, unter Berufung auf ein Gericht der russischen Hauptstadt. Demnach muss er bei der Polizei um Erlaubnis bitten, wenn er Moskau verlassen will. Sein Reisepass ist eingezogen. Serebrennikov sagte nach der Entscheidung, dass er nun wieder ungehindert arbeiten wolle. Menschenrechtler begrüßten die Entscheidung des Gerichts. Erst in der vergangenen Woche hatte die Justiz den Hausarrest um weitere drei Monate verlängert. Sie wirft ihm und weiteren Angeklagten weiterhin die Veruntreuung staatlicher Fördermittel in Millionenhöhe vor. Der Regisseur weist das zurück.

Hänsel und Gretel in Stuttgart

In Stuttgart hatte Serebrennikov die Oper "Hänsel und Gretel" inszeniert. Aufgrund seiner Verhaftung konnte er die Arbeit allerdings nicht persönlich vor Ort zu Ende bringen, sondern konnte nur noch über Video-Aufzeichnungen und Nachrichten mit dem damaligen Dramaturgen Sergio Morabito kommunizieren. Die Opernpremiere im Oktober 2017 musste ohne ihn stattfinden. Die Oper hatte sich unter anderem mit dem Drucken von T-Shirts mit Serebrennikov solidarisiert.

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