Kompetenzstreit Salzburger Osterfestspiele ohne Thielemann

Die Salzburger Osterfestspiele gaben am 17. September bekannt, dass sie Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle Dresden ab 2023 nicht mehr beschäftigen werden. Seit April gab es Konflikte zwischen dem Dirigenten Christian Thielemann und dem Geschäftsführer der Salzburger Osterfestspiele, Nikolaus Bachler.

Die Salzburger Osterfestspiele gaben in einer Pressekonferenz bekannt, sie würden sich ab 2023 von Christian Thielemann als künstlerischem Leiter trennen. Damit einher gehe auch die Auflösung der Zusammenarbeit mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Stattdessen solle es wechselnde Orchester geben. Bis zum Ende des Vertrages wird Christian Thielemann noch drei Osterfestspiele künstlerisch leiten.

Dirigent Christian Thielemann anläßlich der Fotoprobe zur Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner (Foto: SWR, picture-alliance / Reportdienste - BARBARA GINDL)
"Weder wird es daher Planungsgespräche noch sonstige Formen der Zusammenarbeit mit Herrn Bachler geben." (Christian Thielemann im April 2019 zur Zukunft in Salzburg) picture-alliance / Reportdienste - BARBARA GINDL

Der Künstlerische Leiter der Salzburger Osterfestspiele, Christian Thielemann, hatte am 20. August in den Salzburger Nachrichten einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er auf seinen Konflikt mit dem neuen Osterfestivalgeschäftsführer Nikolaus Bachler eingeht. Mit dem Betreff "Klarstellung der Befugnisse des Künstlerischen Leiters der Osterfestspiele" fordert er die Verantwortlichen der Salzburger Festspiele auf, "eine verbindliche" Klärung der Verantwortung für die "künstlerische Gesamtverantwortung" herbeizuführen.

"Schon nach allgemeinem Sprachverständnis setzt die künstlerische Leitung eines Festivals voraus, dass vom Leiter alle wesentlichen Programmentscheidungen vorgegeben werden. In dieser Verantwortlichkeit spiegeln sich sein künstlerisches Konzept und seine Identität."

(Thielemann in dem veröffentlichten Schreiben an die Gremien der Osterfestspiele)

In dem Schreiben erläuterte Thielemann die eingetretene Pattsituation bei den Festspielen. Thielemann hatte für 2022 und 2023 die Opern Lohengrin und Elektra mit herausragenden Besetzungen geplant. Bachler hatte seine Planungen aber ohne zureichende Begründung abgelehnt, womit Thielemann keine Verträge abschließen konnte. Thielemann beruft sich auf seine Künstlerische Leitung und sieht "keinen Raum" für eine künstlerische Gesamtverantwortung bei Bachler.

"Ach, manchmal haben Sie das Gefühl, dass Sie mit Menschen zusammenpassen, und manchmal, dass Sie nicht zusammenpassen.“

(Thielemann im Frühjahr 2019 n einem Interview der FAZ auf die Frage nach der „antipodischen Situation“ mit Herrn Bachler)

Thielemann (60) hatte bereits im April mitgeteilt, dass er eine Zusammenarbeit mit dem designierten Intendanten, dem derzeitigen Münchner Opernintendanten Nikolaus Bachler, ausschließt und dies auch ausführlich begründet. Bachler ist seit 1. Juli als Nachfolger von Peter Ruzicka kaufmännischer Geschäftsführer der Osterfestspiele und soll 2022 auch Intendant werden. Der Vertrag von Thielemann, der seit 2013 im Amt ist, hat sich in diesem Frühjahr automatisch bis 2022 verlängert.

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