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Wie in Stuttgart fragte man sich auch in Frankfurt, ob ein Theaterneubau günstiger als die Sanierung des alten Gebäudes sei. Nach dem Abrissbeschluss formiert sich nun Protest.

Frankfurts Städtische Bühnen (Oper und Schauspiel) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Frank Rumpenhorst)
Naht das Ende? Der zum Abriss vorgesehene Doppelbau von Frankfurts Städtischen Bühnen, der bisher Oper und Schauspiel beherbergt. Frank Rumpenhorst

Eine Initiative kämpft für den Erhalt der Frankfurter Städtischen Bühnen. Mit einer Petition wollen die Unterzeichner den vom Stadtparlament beschlossenen Komplettabriss des gemeinsamen Gebäudes von Theater und Oper am Willy-Brandt-Platz verhindern. Die Initiative wurde am Montag, 9. März, in Frankfurt vorgestellt.

Der Theaterbau hat in Frankfurt Stadtgeschichte geschrieben und Identität gestiftet. Er war über Jahrzehnte einer der prägenden Orte des kulturellen Lebens der Stadt, in dem auch immer wieder gesellschaftlich relevante Diskurse ausgetragen wurden. Es ist ein Ort bürgerlicher Öffentlichkeit, in dem die Stadtgesellschaft über ihre Gegenwart und Zukunft nachgedacht und gestritten hat.

Aus der Petition "Zur Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main"

Zu den Initiatoren gehört der Professor für Architekturtheorie der Universität Kassel, Philipp Oswalt. Zwei Gutachten hatten ergeben, dass eine Sanierung des Gebäudes teurer würde als die Städtischen Bühnen neu zu bauen. Die Autoren der Petition sprechen von "einem mangelhaften Verfahren, dessen Ergebnis weder plausibel noch überzeugend ist." Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zeuge von "Geschichtsvergessenheit", heißt es in der Petition. "Sie entspricht einer Baupolitik, die identitätsstiftende Bauten der Stadtgeschichte auslöscht".

Die Beschlusslage

Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hatte am 30. Januar mit großer Mehrheit beschlossen, die marode Frankfurter Theater-Doppelanlage abzureißen. Außerdem beauftragte sie den Magistrat, ein Verfahren für einen Neubau in die Wege zu leiten. Damit reagierte das Stadtparlament auf ein Gutachten der sogenannten Stabsstelle zur "Zukunft der Städtischen Bühnen". Der Neubau am bisherigen Standort Willy-Brandt-Platz war von der Stabsstelle auf 874 Millionen Euro geschätzt worden. Eine Sanierung inklusive kleiner baulicher Veränderungen sollte dagegen 918 Millionen Euro kosten.

Bleiben Oper und Schauspiel unter einem Dach?

Auch der Leiter der Stabsstelle, der Architekt Michael Guntersdorf, und die Kulturdezernentin der Stadt, Ina Hartwig (SPD), hatten sich vergangene Woche gegen eine Sanierung positioniert. Sie favorisieren die Errichtung von zwei Neubauten, mindestens einen davon am Willy-Brandt-Platz, den anderen in zentraler Innenstadtlage. Dagegen bevorzugt die stärkste Fraktion im Stadtparlament, die CDU, einen Neubau beider Bühnen auf einem Areal im Osthafen nahe der Europäischen Zentralbank.

Die im Jahr 1963 fertiggestellte Anlage aus Schauspiel und Oper war 1991 nach einem Großbrand für rund 85 Millionen Euro bühnentechnisch renoviert worden. Die Klima-, Lüftungs- und Heizungstechnik blieb allerdings ausgespart und ist inzwischen völlig veraltet. Die Leitungen müssten komplett erneuert werden. Auch die 120 Meter lange Glasfassade weist große Mängel auf.

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