Oper Nimmt der Oper die Maske ab: Das Junge Kollektiv Musiktheater

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Sendezeit
10:05 Uhr
Sender
SWR2

Das Junge Kollektiv Musiktheater ist eine Gruppe von Studierenden der Hochschule für Musik Karlsruhe. Gemeinsam wollen sie die Oper entstauben, in die heutige Zeit bringen und zeitgemäß inszenieren – mit ausgefallenen Regiekonzepten und ungewöhnlichen Aufführungsorten. In diesem Jahr gehen sie in die zweite Spielzeit mit Giacomo Puccinis Oper „Gianni Schicchi“.

Gemeinnützige Arbeit für die Oper

Fünf Studierende haben im Frühjahr 2018 das Junge Kollektiv Musiktheatergegründet. Das Kollektiv ist in einem gemeinnützigen Verein aufgebaut, es finanziert sich über Spenden. Einmal im Jahr gibt es eine große Hauptinszenierung. Wer Mitglied im Verein ist, kann auch selbst Musiktheater-Projekte vorschlagen, der Verein unterstützt dann mit finanziellen Mitteln und hilft, MusikerInnen und Aufführungsorte dafür zu finden.

Erfolgreiche Inszenierungen

Die erste Inszenierung des Jungen Kollektivs Musiktheater war die „Hochzeit des Figaro“ von Mozart im Sommer 2018. Die Vorstellungen waren so erfolgreich, dass für die diesjährigen Aufführungen von „Gianni Schicchi“ bereits im Vorfeld alle Karten reserviert sind. Nur spontan freiwerdende Plätze können noch ergattert werden.

Anspruchsvolle Werkauswahl

Weil keiner der Musizierenden Geld für die Aufführungen bekommt, versucht das Kollektiv, durch andere Wege einen Mehrwert für die Beteiligten zu schaffen. Neben einem sehr freundschaftlichen und herzlichen Umfeld werden für die Sänger und Sängerinnen Werke ausgesucht, die sogenannte Repertoirestücke sind. So können sie sich diese Rollen in den Lebenslauf schreiben und bekommen so hoffentlich bessere Stellen nach ihrem Studium.

Außergewöhnliche Orte

Probenfotos aus der Produktion "Gianni Schicchi" von Jungen Kollektiv Musiktheater in Karlsruhe (Foto: SWR, Birgit Nockenberg)
Die Fleischmarkthalle im Schlachthof Karlsruhe ist karg eingerichtet, mit abblätternder Farbe an der Wand und vielen Säulen, die in die Inszenierung mit einbezogen werden. Birgit Nockenberg

Das Kollektiv wählt außergewöhnliche Aufführungsorte, in diesem Jahr die Fleischmarkthalle im Alten Schlachthof Karlsruhe – ohne erhöhte Bühne und Orchestergraben. In dieser Inszenierung hat das Publikum das Orchester im Rücken und der gesamte Raum ist die Bühne und die Barriere zwischen Publikum und Aufführenden ist aufgehoben.

Eindrücke aus den Proben von „Gianni Schicchi“

Oper Probenbilder aus Puccinis "Gianni Schicchi" vom Jungen Kollektiv Musiktheater

Probenfotos aus der Produktion "Gianni Schicchi" von Jungen Kollektiv Musiktheater in Karlsruhe (Foto: SWR, Birgit Nockenberg)
Gianni Schicchi ist in der Hölle gelandet und trifft dort auf seinen Erfinder, der Dichter Dante Alighieri. Der hat ihn in seinem berühmten Werk „Die Göttliche Komödie“ in die Hölle geschrieben. Dantes Werk ist die Basis für das Libretto der Oper „Gianni Schicchi“. Birgit Nockenberg Bild in Detailansicht öffnen
Der Clou an dieser Inszenierung: Dante (hier in der Mitte sitzend mit Löwenfell) taucht im Original gar nicht auf. Beim Jungen Kollektiv Musiktheater wird er schauspielerisch eingebaut als moralischer Prüfer und Beobachter. Birgit Nockenberg Bild in Detailansicht öffnen
Gianni Schicchi ist in der Hölle, weil er die Familie seines zukünftigen Schwiegersohnesum ihr Erbe gebracht hat. Mit dem Geld wollte er seiner Tochter ermöglichen, genug Mitgift für die Hochzeit zu haben. Birgit Nockenberg Bild in Detailansicht öffnen
In der Inszenierung erzählt Gianni Schicchi dem Dichter Dante seine Lebensgeschichte und zeigt Dante, warum diese Familie ausgetrickst hat – manchmal ist Schicchi mitten im Geschehen, manchmal kommentiert er aus dem Publikum. Birgit Nockenberg Bild in Detailansicht öffnen
Die Verwandten, die Gianni Schicchi um ihr Erbe bringt, sind raffgierige Menschen, die alles für ihr Vermögen tun würden. In dieser Inszenierung werden sie sehr überzogen dargestellt. Sie tragen riesige Schmuckstücke und stellen ihre Emotionen übertrieben zur Schau. Birgit Nockenberg Bild in Detailansicht öffnen
Im Gegensatz zu den überzogenen Verwandten stehen Gianni Schicchi, seine Tochter und ihr Verlobter in dieser Inszenierung. Sie werden als aufrichtige Charaktere in weißer Kleidung dargestellt. Birgit Nockenberg Bild in Detailansicht öffnen
Der beobachtende Dichter Dante bekommt die Habsucht und Gewalt der Verwandten auch am eigenen Leib zu spüren. So soll Dante (stellvertretend für das Publikum) entscheiden, ob Schicchi wirklich die Hölle verdient hat. Birgit Nockenberg Bild in Detailansicht öffnen
Konstantin Ingenpaß (rechts) spielt die Rolle des Gianni Schicchi. Der vielversprechende junger Bariton ist bereits beruflicher Sänger – hier singt er aber wie alle anderen ehrenamtlich. Birgit Nockenberg Bild in Detailansicht öffnen
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