Musik vor Gericht Nach Gerichtsentscheid: Knabenchor muss keine Mädchen aufnehmen

Darf ein Mädchen auch in einem Knabenchor singen? Diese Frage verhandelte das Berliner Verwaltungsgericht aufgrund der Klage eines Mädchens auf Aufnahme in einen nur mir Jungen besetzten Chor.

Das Berliner Verwaltungsgericht hat die Klage eines Mädchens auf Zulassung zum Staats- und Domchor in Berlin abgewiesen. Mit Blick auf den spezifischen Klang des reinen Knabenchores sei die Leitung des Ensembles berechtigt, Mädchen, deren Stimmen diesem Klangbild nicht entsprechen, abzuweisen, sagte der Vorsitzende Richter, Jens Tegtmeier, am Freitag, 16. August, in Berlin in seinem Urteil nach mehrstündiger Verhandlung. Dabei gehe in diesem Fall das Recht auf Kunstfreiheit aus Artikel 5 im Grundgesetz dem Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts aus Artikel 3 Absatz 3 vor.

Komische Oper Berlin Kinderchro (Foto: picture-alliance / Reportdienste, POP-EYE/sinissey)
Hier sang die Klägerin früher: der gemischte Kinderchor der Komischen Oper Berlin POP-EYE/sinissey

Berufung ausdrücklich zugelassen

Ein neun Jahre altes Mädchen hatte sich in den bis dato nur mit Jungen besetzten Staats- und Domchor zu Berlin einklagen wollen, da das Mädchen nach einem Vorsingen im März von der Auswahlkommission des Chores abgelehnt wurde. Aufgrund der besonderen Bedeutung des Falles ließ das Gericht die Berufung zur nächsten Instanz zu.

"Wenn man die Klangfarben mischt, wird es künstlerisch grau."

Kai-Uwe Jirka, Leiter des Chores, in der Verhandlung

Aus Sicht des Mädchen, so hieß es beim Verwaltungsgericht, verletze die Ablehnung die Verpflichtung des Chores zur Aufnahme. Die Klägerin meint, sie hätte Anspruch auf gleiche Teilhabe an staatlichen Leistungen und Förderungen. Die Zugangsbeschränkung auf Jungen sei deshalb diskriminierend und unzulässig.

Anatomische Unterschiede zwischen Mädchen- und Jungenstimmen

Aus Sicht des Chores geht die Ablehnung aber nicht in erster Linie auf ihr Geschlecht zurück. Die Ablehnung wurde mit einer ungenügenden Motivation und einer fehlenden Ausbildung begründet. Sie wäre aufgenommen worden, wenn die Stimme dem angestrebten Klangbild eines Knabenchores entsprochen hätte; das sei aber nicht der Fall, argumentiert der Staats- und Domchor. Zwischen Mädchen- und Jungenstimmen bestünden anatomische Unterschiede, was zu differenzierten Chorklangräumen führe. Die hierauf zurückzuführende häufigere Ablehnung von Mädchen sei durch die Kunstfreiheit gerechtfertigt.

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