Tiroler Festspiele beurlauben Intendant auch als Dirigent Gustav Kuhn ohne Beschäftigung

Der Festspielchef von Erl wurde diverser Verfehlungen beschuldigt. Durch einen offenen Brief von fünf seiner Opfer geriet er unter Druck und ließ sein Amt ruhen. Jetzt wurde er auch als Dirigent beurlaubt.

Gustav Kuhn, künstlerische Leiter der Tiroler Festspiele Erl (Foto: SWR, picture-alliance / dpa - ZEITUNGSFOTO.AT)
Der Beschuldigte: Gustav Kuhn, anlässlich des Zivilprozesses gegen einen Tiroler Blogger, der die Vorwürfe gegen Kuhn als erster publiziert hatte. picture-alliance / dpa - ZEITUNGSFOTO.AT

Nach den Vorwürfen sexueller Übergriffe hat der Vorstand der Tiroler Festspiele Erl Gustav Kuhn von den geplanten Dirigaten entbunden. Die Beurlaubung von Kuhn gelte bis zur „endgültigen Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe“, teilten die Festspiele am Freitag, 21. September mit. Aus der künstlerischen Leitung hatte sich Kuhn bereits Ende Juli bis zur vollständigen Klärung mit sofortiger Wirkung zurückgezogen. Kuhn stellte aber klar, das dies nicht als Schuldeingeständnis zu verstehen sei und wies alle Vorwürfe bisher zurück.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch eine im österreichischen Kanzleramt angesiedelte Gleichbehandlungskommission beschäftigen sich mittlerweile mit dem „Fall Kuhn“. Fünf Künstlerinnen hatten am 25. Juli in einem offenen Brief schwere Vorwürfe gegen den Dirigenten und Leiter der Tiroler Festspiele Erl, Gustav Kuhn, erhoben. Gustav Kuhn habe sie gegen ihren Willen geküsst, angefasst, schikaniert und in der Öffentlichkeit herabgesetzt, erklärten sie.

Die Vorwürfe gegen Kuhn stammen aus der Zeit von 1998 bis 2017, als die fünf Künstlerinnen bei den Festspielen Erl beschäftigt waren. Sie erklärten in dem offenen Brief, sie seien empört, dass trotz der bekannten Fakten bisher noch keine Konsequenzen gezogen worden seien. Die Festspielleitung zeigte sich darauf hin in einem ebenfalls öffentlichen Antwortschreiben überrascht und wollte erst das Ende der aktuellen Festspiele abwarten, um den Anschuldigungen nachzugehen.

Vorwürfe von Lohndumping bis Vergewaltigung

Ins Rollen gebracht hat den ganzen Vorgang ein Blogger. Er hatte im Februar über angeblich unhaltbare Zustände mit schlechter Bezahlung, Probenterror und mögliche sexuelle Übergriffe in Erl berichtet. Kuhn verklagte daraufhin den Blogger zivilrechtlich. Mit dem offenen Brief der fünf Künstlerinnen hatten sich die Opfer nun erstmals namentlich an die Öffentlichkeit gewandt. Unterzeichnerinnen sind die Sopranistin Bettine Kampp und die Mezzosopranistin Julia Oesch aus Deutschland, die Violinistinnen Aliona Dargel aus Weißrussland und Ninela Lamaj aus Albanien und die Schweizer Sopranistin Mona Somm.

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