Kurdischer Musikverlag in Deutschland verboten Kann Musik Terrorismus finanzieren?

Hat ein Musikverlag mit kurdischem Musikprogramm die verbotene kurdische Untergrundorganisation PKK finanziell unterstützt? Die Bundesregierung sieht das so und hat einen kurdischen Musikverlag deshalb verboten.

Kurdish musician Sivan Perwer visits Peshmerga forces in Mosul (Foto: SWR, picture-alliance / Reportdienste - Emrah Yorulmaz)
Auch seine CDs wurden über den verbotenen kurdischen Musikverlag vertrieben: der kurdische Sänger Şivan Perwer (mit Bart in der Bildmitte), hier 2015 auf Truppenbesuch im Irak neben dem Befehlshaber der lokalen Peshmerga, die im Nordirak gegen den IS picture-alliance / Reportdienste - Emrah Yorulmaz

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat zwei der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zugerechnete Verlage verboten. Die Vereinigungen "Mezopotamien Verlag und Vertrieb GmbH" und die "MIR Multimedia GmbH" seien Teilorganisationen der seit 1993 in Deutschland verbotenen PKK und werden aufgelöst, teilte das Bundesinnenministerium am Dienstag, 12. Februar, in Berlin mit. Der kurdische Verband NAV-DEM sprach von einem "unerträglichen Ausmaß der Kriminalisierung kurdischer Vereinigungen in Deutschland".

Im nordrhein-westfälischen Neuss waren am Dienstagmorgen rund 60 Polizeibeamte im Einsatz, die Geschäftsräume der "Mezopotamien Verlag und Vertrieb GmbH" und der "MIR Multimedia GmbH" durchsuchten und dort nach Angaben des NRW-Innenministeriums Vermögen, Geschäftsunterlagen und Datenträger beschlagnahmten.

Unterdrückung der kurdischen Sprache

Der kurdische Dachverband in Deutschland NAV-DEM verurteilt das von Seehofer verhängte Verbot und die Durchsuchungen. In der Türkei würden die kurdische Sprache und Musik verboten und verfolgt, erklärte der Ko-Vorsitzende Tahir Köcer. "Nun hat die Bundesregierung sich mit diesem Verbot zu einer Fortsetzung dieser menschenverachtenden Politik auf deutschem Boden entschieden. Das können und werden wir nicht dulden."

Musik kurdischer Kämpfer

Der verbotene Musikverlag "MIR Multimedia" war nach eignen Angaben als Plattenlabel, Tonstudio und Konzertagentur tätig und eine der wichtigsten Einrichtungen für kurdische Musik. Unter den rund 500 CDs von kurdischen Musikern und Musikerinnen finden sich auch Aufnahmen von Musikern, die als PKK-Kämpfer umgekommen sind und der kurdischen Guerilla-Musik zugeordnet werden.

Musik des verbotenen Verlags: Şivan Perwer

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