DVD-Tipp 150 Jahre Wiener Staatsoper

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10:05 Uhr
Sender
SWR2

Die Wiener Staatsoper ist 150 Jahre alt geworden. Zum Festjahr ist eine neue DVD-Box erschienen. Zu finden sind darin Operninszenierungen der Staatsoper aus den letzten Jahrzehnten. Eva Hofem gibt einen Einblick in die umfangreiche Jubiläumsbox.

Opernstars aus aller Welt

Mozart, Domingo, Muti, Karajan. Schon das Namedropping auf dem dünnen DVD-Papp-Schuber lässt vermuten: Opernstars aus aller Welt ziehen seit mehr als 150 Jahren auch internationale Opernfans an.

Mit Mozarts „Don Giovanni“ hat 1869 alles begonnen und darauf ist man an der Staatsoper heute noch stolz. Acht Opern aus fünf Jahrzehnten sollen das auf 11 DVDs repräsentieren. Vom Jahr 1978 bis 2014 ist so ziemlich alles dabei, was Rang und Namen hat. Don Giovanni aus dem Jahr 1999 zum Beispiel. Oder Bariton Carlos Alvarez und die junge Angelika Kirschlager in einer Inszenierung von Roberto de Simone.

Interpreten und Kostüme im Wandel der Zeit

Dass die Sänger unter Dirigent Ricardo Muti etwas unbeweglich klingen, könnte auch am steifen Setting liegen. Denn im Don Giovanni von 1999 lassen historische Kostüme und weiße Mozart-Perücken die Herzen von traditionsbewussten Operngängern höherschlagen.

Zu sehen sind hier aufstrebende Sängerpersönlichkeiten einer damals noch jungen Generation. Wie Ildebrando d‘Arcangelo als Leporello oder Michael Schade als Don Ottavio.
Eine der ältesten Videoaufnahmen dieser Box ist Bizets „Carmen“ aus dem Jahr 1978 unter der Leitung von Carlos Kleiber und mit Elena Obraztsova und Placido Domingo in den Hauptrollen. Das kann schon fast als historisches Zeitdokument gewertet werden.

Regie, Bühnenbild und sogar die Kameraführung dieser Carmen sind von All-Round-Talent Franco Zeffirelli. Vielleicht erinnert die Aufnahme deswegen an einen Historienfilm der 70er Jahre. Aus dem Jahr 1978 gibt es noch Verdis „Il Trovatore“ in der Regie von Teo Otto zu sehen. Unter Herbert von Karajan und ebenfalls mit Placido Domingo. Aber das ist nicht die einzige Aufnahme mit ihm: Als blondgelockter Jüngling mit zeitgenössischer Fokuhila-Frisur taucht er 1990 als Lohengrin wieder auf. Diesmal unter dem einnehmenden Dirigat von Claudio Abbado.

Herausragende musikalische Qualität

Musikalisch gibt es in Wien keine Experimente. Und das ist auch gut so. Denn wenn etwas auf dieser Box ansprechend ist, dann die hohe musikalische Qualität. 150 Jahre Erfahrung im kulturellen Zentrum Europas zahlen sich eben aus. Domingos leichte Ermüdungsanzeichen nach einigen Stunden Wagneroper anzuprangern wäre Jammern auf hohem Niveau.

Bühnenpräsenz und Rollendarstellung sind hingegen nicht in allen Produktionen so gut gelungen wie im Lohengrin von 1990. Denn trotz überladener Tableau-Szenen wirkt die Inszenierung überraschend schlicht und authentisch. Wie in der innigen Liebesszene zwischen Lohengrin und Elsa, gesungen von Cheryl Studer.

Querschnitt durch den Spielplan der Wiener Staatsoper

Weitere Opern am Buffet wären Puccinis „Turandot“ aus dem Jahr 1983, „Elektra“ von Richard Strauss von 1989 und Händels „Alcina“ von 2010. Ein Querschnitt durch den Spielplan der Staatsoper soll es sein - selten verirrt sich offenbar eine zeitgenössische Oper hierher. Richard Strauss als modernster Komponist in dieser Box repräsentiert nicht gerade den Willen nach Erneuerung. Seine Oper „Ariadne auf Naxos“ von 2014 in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf ist dennoch eine Erfrischungskur nach Historienspektakel und Standregie. Soile Isokoski, Sophie Koch und Johan Botha bringen unter der Leitung von Christian Thielemann Leben auf die Bühne und in die DVD-Box.

Die Box im Ganzen ist sicherlich eine wichtige Sammlung von historischem Wert, die dem Zuschauer eine Zeitreise durch die Inszenierungsgeschichte der letzten 50 Jahre bietet. Interessant zu sehen sind dabei auch die wachsenden optischen und darstellerischen Anforderungen an Sängerinnen und Sänger.

Leider kein Bonusmaterial

Als wirklich exklusives Produkt für Fans ist diese DVD-Box der Wiener Staatsoper jedoch recht lieblos aufbereitet. Es fehlt an jeglichem Zusatzmaterial, was bei einer Jubiläumsversion wünschenswert gewesen wäre. Keine Videos, keine Interviews, noch nicht mal ein Booklet steuert das Label Arthaus hier bei. Die Auswahl der Werke wirkt dadurch ein wenig beliebig, denn die meisten Opern sind bereits auf DVD erschienen und wurden hier nur in eine gemeinsame Hülle gepackt.

Untertitel in vielen Sprachen

Untertitel gibt es übrigens zu jeder Oper in allen erdenklichen Sprachen. Das englischsprachige Layout der Box lässt darauf schließen, dass hier vornehmlich an internationale Besucher der Wiener Staatsoper gedacht wurde, als an das eigentliche Stammpublikum. Dennoch: Wer in erster Linie auf eine repräsentative Besetzung wert legt und es eher klassisch statt modern mag, ist hier sehr gut aufgehoben. Die Box gibt es übrigens genau 1869-mal - ein wahres Jubiläumsangebot…

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