Brandschaden Notre-Dame-Orgel noch länger unbespielbar

Nach der Brandkatastrophe im April sah es so aus, als ob die Hauptorgel in der Pariser Kathedrale Notre-Dame nahezu unversehrt bliebe. Doch die aus dem Jahr 1868 stammende Orgel wird wohl noch einige Jahre unbespielt bleiben.

Nach Einschätzung der früheren Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner ist die Hauptorgel im Pariser Notre-Dame stärker in Mitleidenschaft gezogen als angenommen. Orgelexperten hatten nach dem Brand festgestellt, dass weder die Pfeifen noch die Windladen und die Traktur Schaden genommen haben. Probleme wird das durch die Hitze verbrannte Blei bereiten, ist sich Schock-Werner sicher.

Eingestürzter Dachstuhl von Notre-Dame nach dem Brand (Foto: Imago/Alexis Sciard - Alexis Sciard)
Fünf Monate nach dem verheerenden Brand an Ostern ist man noch mit Sicherungsarbeiten beschäftigt, da noch immer Teileinstürze der Gewölbe befürchtet werden. Imago/Alexis Sciard - Alexis Sciard

Das Problem heißt "Blei"

In einigen Pfeifen seien "Bleistaub und Bleibröckchen, winzige Bröckchen wie Salzkristalle" entdeckt worden, sagte die Kunsthistorikerin. "Zweitens kann man sie auch nicht da lassen. Denn wenn die Orgel gespielt wird, werden die alle wieder in den Innenraum geblasen." Damit sei eine Reinigung unumgänglich.

"Wenn ich daran denke, wie lange die Restaurierung unserer großen Orgel im Kölner Dom, die ein bescheidenes Instrument gegenüber der in Paris ist, gedauert hat, dann muss man ein paar Jahre einrechnen. Orgeln sind komplizierte Dinge", so die langjährige Kölner Dombaumeisterin. Olivier Latry, Organist von Notre-Dame, ging im SWR2-Gespräch ursprünglich von nur zwei oder drei Jahren aus, bis die Orgel wieder bespielbar sei.


STAND