Lübecker Brahms-Institut erwirbt unbekannten Brahms-Brief Brahms, Meister der Ironie

Johannes Brahms hatte zu Lebzeiten ein Ruf als „Schreibefaulpelz“. Fast 7.000 Briefe im Brahms-Institut widerlegen das. Nun kam noch ein weiterer hinzu.

Brief von Brahms mit Monogramm (Foto: SWR, Musikhochschule Lübeck - Brahms-Institut)
So beginnt Brahms - unter seinem Logo - seinen Brief: „Sehr geehrtes Fräulein, (lies: gnädige Frau)“ und verweist damit scherzhaft auf die „angedeutete Metamorphose grade zwischen Schreiben und Lesen“ bzw. der bevorstehenden Heirat der Musikhochschule Lübeck - Brahms-Institut

Das Lübecker Brahms-Institut hat einen bisher unveröffentlichten Brief des Komponisten erworben. Das vom 14. Oktober 1868 datierte Schreiben sei in einem amerikanischen Antiquariat aufgetaucht, teilte die Musikhochschule Lübeck am Dienstag, 13. November, mit. Der damals 35-jährige Johannes Brahms (1833-1897) gratuliere darin der renommierten Zürcher Sängerin Maria Schmidt zur Hochzeit mit dem ihm befreundeten Komponisten und Pianisten Theodor Kirchner.

Das jetzt bekanntgewordene dreiseitige Schreiben - auf einem eher selten verwendeten monogrammierten Briefpapier - hat laut Mitteilung seine Empfängerin nicht erreicht und wurde an Brahms zurückgeschickt. Der sandte es vier Monate später, im Februar 1869, erneut nach Zürich, ergänzt durch weitere Zeilen an Kirchner, mit dem er freundschaftlich verbunden war. Den Angaben zufolge hatte Brahms selbst Kirchner und die Zürcher Primadonna zusammengebracht.

Eines von 6.875 handschriftlichen Schriftstücken

Der Brief werde nun in die Sammlung des Instituts aufgenommen, die den Angaben zufolge auch einen Teilnachlass von Kirchner umfasst. Er sei bereits im Brahms-Briefwechsel-Verzeichnis erfasst und damit eines von 6.825 Schriftstücken aus der Feder von Brahms, die an über 1.000 Briefpartner gingen. Für Institutsleiter Wolfgang Sandberger zeigt der Brief einmal mehr, dass Brahms ein „Meister der Ironie, Maskierung und Verschleierung“ gewesen ist.

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