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Die Staatskapelle wird 450 Jahre alt und ist damit eines der ältesten Orchester der Welt. Schon Richard Strauss war hier Generalmusikdirektor. Die Klangtradition des Orchesters wurde später geprägt von Dirigenten wie Carlos Kleiber, Wilhelm Furtwängler oder dem jungen Karajan. Zum Jubiläum blicken wir auf die 450-jährige Geschichte des Orchesters zurück – Zeitgeschichte mitten in Berlin, zwischen Kriegen, Krisen und politischen Umbrüchen.

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Dieses Berliner Orchester hat Einiges durchgemacht: Napoleon, unter dessen Herrschaft es sich auflösen musste, zwei Weltkriege und Fusionsdrohungen nach der Wende. Das Alter, so sein Maestro Daniel Barenboim, sei sowieso nicht das Wesentliche.

„Es sind 450 Jahre, in denen das Orchester mit den berühmtesten Musikern zu tun hatte. Mendelssohn, Schumann, Weber, Richard Strauss war Generalmusikdirektor. Das ist doch das Erstaunliche.“

Gemälde, Öl auf Leinwand von Adolph von Menzel: Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / akg-images)
Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci, von Adolph von Menzel, 1850/1852. picture alliance / akg-images

Napoleon und Friedrich der Große

Nach trostlosen Jahren unter dem unkultivierten „Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. hat dessen Sohn der Hofkapelle wieder zur Blüte verholfen: Friedrich der Große ließ sich von den Musiker*innen beim Flötenkonzert in Sanssouci begleiten. Seither hat die Staatskapelle über die Jahrhunderte einen ganz besonderen Klang entwickelt. Dunkel, weich, die Töne lange haltend, im Legato verbindend. Barenboim hat sich 1990 in diesen Klang verliebt, er kannte ihn aus den Emigrantenorchestern in Buenos Aires und Israel. 

„Die Staatskapelle ist eines der wenigen Orchester, das wirklich in und mit der Musik denkt.“

„Ich glaube es geht vor allem auch darum, dass wir den Ton lange halten können. Wir kommen aus der Klangtradition von Erich Kleiber, Wilhelm Furtwängler, dem jungen Karajan, jenen Dirigenten, die bei uns gewirkt haben.“

Ausstellung im Apollosaal

Eine kluge Ausstellung im prächtigen Apollosaal zeigt: Herbert von Karajan und seine Karriere begann nicht, wie die meisten denken, mit den Berliner Philharmonikern. Nein, die Staatskapelle hat ihn seit 1938 mit Tristan oder den Beetovensinfonien zum Wunder Karajan werden lassen. Jung, dunkelhaarig — energetisch wirkt er auf den Fotos.

Der Chefdramaturg des Hauses, Detlef Giese, hat die Ausstellung mitkonzipiert und ins Zentrum eine Vitrine mit vier Dirigentenstäben gestellt. Der breite schwarze, den heute so niemand mehr benutzen würde, gehörte Felix Mendelssohn. Ein weiterer Richard Strauss, der seine letzten Kapellkonzerte mit diesem Stab dirigierte, daneben ein Stab von Franz Konwitschny und der weiße Stab mit Gravur: Daniel Barenboim. 

Die Wende als Einschnitt für die Staatskapelle

Noten, Fotos und Reden führen durch die wechselvolle Geschichte dieses Ausnahmeorchesters. Rolf Reuter hat es am 5. November 1989 in der Gethsemanekirche dirigiert, beim Konzert gegen Gewalt, und spontan eine Rede gehalten mit der Forderung: „Es muß diese Mauer weg, gewaltlos weg.“ 

Die Staatskapelle war bis dahin, eben als Hof und dann Staatskapelle, auch ein Statussymbol der Herrschenden. Der Könige, der Politiker in der Weimarer Republik, der Nazis und der DDR-Nomenklatura.

Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim vor der Staatsoper Unter den Linden. (Foto: Pressestelle, Peter Adamik)
Die Staatskapelle hat heute 131 Mitglieder, ein Drittel davon sind Frauen. Pressestelle Peter Adamik

Ehrenplatz für Richard von Weizsäcker im Orchestergraben

Die Wende brachte Freiheit, aber sie war für die Staatskapelle auch ein enormer Einschnitt. Geigerin Susanne Schergaut berichtet, wie die Kappelle plötzlich im Verdienst und Ranking der Orchester auf einen hinteren Platz gefallen seien, der so gar nicht ihrem Selbstverständnis entsprach.

Nach der Wende drohte die Abwicklung. Richard von Weizsäcker war einer der Retter. Deshalb durfte er Zeit seines Lebens als einziger Nichtmusiker im Orchestergraben Platz nehmen. Was er aber nicht oft tat und stattdessen lieber den einzigartigen Klang aus der Loge genoss.

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