Musik Der SPEXit - Aus für Pop-Magazin SPEX

Von Christoph Möller

Das Pop-Magazin SPEX wird Ende des Jahres eingestellt. 38 Jahre lang hat das Magazin Pop erklärt. Noch zwei Ausgaben, dann ist Schluss. Die Anzeigen gehen zurück. Die „Gatekeeper-Funktion von Pop-Journalistinnen und -Journalisten“ habe sich weitgehend erledigt. Erst vor kurzem hatten auch die Musikzeitschriften Intro und Groove ihr Ende angekündigt. Wo es mit dem Musikjournalismus weitergeht? Natürlich im Netz.

Wie es nach SPEX weitergeht - die Musikjournalistin Salwa Houmsi

Ein typisches Video auf dem Instagram-Kanal der Musikjournalistin Salwa Houmsi. Sie trifft die österreichische Musikerin Mavi Phoeni, spricht mit ihr über Berlin, Mode und Musik.

Houmsi ist 22, moderiert bei Radio Fritz vom öffentlich-rechtlichen rbb. Auf Instagram folgen ihr fast 17.000 Menschen. Dort spricht sie über aktuelle Pop-Themen, führt Interviews und empfiehlt Musik, vor allem Hip-Hop.

Instagram statt Infos im Printmagazin

Houmsis Instagram-Account ist ein kleines, digitales Musikmagazin. Sie zeigt, wie guter Musikjournalismus im Netz geht.

Mark Terkessidis: Gute Musikkritik braucht Gatekeeper wie SPEX

Dauer

„Ich weiß“, sagt Houmsi über ihre Arbeit, „dass mir Leute auch folgen, weil sie wissen, dass sie so an neue Musik rankommen und wissen, was es so Neues gibt. Wenn ich zum Beispiel einen Song poste, dann glaube ich schon, dass ich auf irgendeine Art und Weise einen Hit machen kann - auch wenn ich nicht 50.000 Follower habe.“

Kein Interesse mehr an gedruckten Buchstaben

Salwa Houmsi sagt, ihre Generation und jüngere Pop-Fans interessierten sich nicht mehr für gedruckte Buchstaben. Das hätten Musikzeitschriften wohl nicht erkennen wollen. „Von Zeitschriften bekomme ich überhaupt nicht mit, dass Kids die lesen. Bekomme ich auch nicht mit, dass das gut laufen würde.“

Neue Formate: Pitchfork und Resident Advisor

Popjournalismus wandert ins Netz. Die SPEX hat diesen Schritt verschlafen. Heute sind es Journalistinnen wie Salwa Houmsi, die Pop erklären. Oder englischsprachige Seiten, die Rezensionen oder lange Features posten.

Etwa Pitchfork aus den USA - oder Resident Advisor, die wichtigste Internetseite für elektronische Clubmusik. Neben Texten produziert Resident Advisor Video-Dokumentationen, etwa zur Frage, wie Punk-Rock die elektronische Musik geprägt hat.

Wo trifft künftig Theorie auf Tocotronic?

Doch wo wird der Diskurs über Popmusik nach dem Ende der SPEX stattfinden? Wo trifft Post-Strukturalismus auf Punk und Theorie auf Tocotronic? Auf Instagram wohl kaum. Ein Thema tiefergehend zu analysieren ist dort nicht möglich.

Coverbilder der Musikzeitschrift SPEX aus unterschiedlichen Jahren (Foto: SWR, SWR -)
Coverbilder der Musikzeitschrift SPEX aus unterschiedlichen Jahren SWR -

Ambitionierten Musikjournalismus bieten nur noch wenige

Im deutschsprachigen Raum gibt es keine Internetseite, die inhaltlich der SPEX ähnelt. Den ambitionierten, intellektuellen Musikjournalismus, den die SPEX alle zwei Monate in ein dickes Heft gepackt hat, findet man höchstens noch auf den Online-Seiten von SZ, ZEIT ONLINE oder taz, teilweise im öffentlich-rechtlichen Radio.

Elaborierte musikjournalistische Texte, Essays und Features gibt es in Zukunft wohl nur noch auf Englisch – und garantiert nicht mehr gedruckt.

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