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Veronica Swift ist erst 27 Jahre alt, beherrscht die Raffinessen des Jazz- und Soulgesangs aber schon wie ein ausgefuchster Oldie. Bereits mit neun hat sie ihre erste CD veröffentlicht, seither sind sechs weitere Alben gefolgt. Swift hat Jazzgesang in Miami studiert und war 2015 Finalistin beim Thelonious-Monk-Wettbewerb in Washington. Ihr siebtes Album „This Bitter Earth“ ist eine Retrospektive auf die großen Jazzsongs und Musical-Hits der Vierziger bis Sechziger – mit zeitgenössisch gebrochenem Blick.

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Songs der Sechziger mit der Muttermilch aufgesogen

„Everybody has the right to be wrong“ — „jeder kann doch mal falsch liegen“, singt Veronica Swift selbstbewusst auf ihrem neuen Album. Und so gekonnt, wie sie hier einen Frank Sinatra-Song aus den Sechzigern interpretiert, liegt sie goldrichtig. Diese Songs hat sie schon mit der Muttermilch aufgesogen.

Kind berühmter Musikereltern: Stephanie Nakasian und Hod O’Brien

Ihre Mutter ist die Jazzsängerin Stephanie Nakasian, die in den Achtzigern viel mit Jon Hendricks auf Tournee war. Und ihr Vater war Hod O’Brien, der als Bebop-Pianist oft mit Chet Baker, Art Farmer und anderen Jazzlegenden aufgetreten ist.

Veronica Swift hat ihre Eltern immer auf den Tourneen begleitet, erzählt sie. Sie sei in den Green Rooms hinter den Bühnen groß geworden – und habe selbst sehr früh mit dem Singen angefangen.

Mit 27 Jahren ein absoluter Profi

Tatsächlich ist Veronica Swift mit ihren 27 Jahren schon ein absoluter Profi: mal fragil, mal rauchig, mal im souligen Brustton der Überzeugung – sie verfügt über alle Klangfacetten.

Unter den Songs, die sie auf ihrem neuen Album covert, ist auch die titelgebende Dinah Washington-Ballade „This Bitter Earth“. Der Song könnte in seiner brüchigen Einsamkeit aktueller nicht sein. Von zarten Streichertönen untermalt, sorgt Swift hier mal für ein ganz anderes „Aha!“-Erlebnis.

Veronica Swift, „This bitter earth" (Foto: Pressestelle, Label - Mack Avenue Records)
Cover von Veronica Swift, „This bitter earth" Pressestelle Label - Mack Avenue Records

Topaktuelles Statement gegen Rassismus

Topaktuell wirkt auch der Titel „You’ve got to be taught” – das wohl ewig gültige Statement gegen Rassismus. Im Musical „South Pacific“ steht der Song in Dur und ist sehr langsam. Das habe aber gar nicht zum Text gepasst und deshalb wollte sie etwas Eigenes daraus machen, erzählt Veronica Swift:

„Also hab ich das Stück in Moll gesetzt und einen rockigen, eher verärgerten Groove darunter gesetzt – denn schließlich geht uns das Thema ja allen an die Nieren!“

Großartige Retrospektive mit zeitgenössischem Blick

Auch der Dave Frishberg-Song „The Sports Page“ von 1971 kommt heutigen Ohren nach der Ära Trump gar nicht mehr gestrig vor – denn es ist ein Plädoyer gegen „Fake News“ — auch wenn sich Veronica Swift nicht als politische Aktivistin bezeichnen möchte:

„Mit meinem neuen Album will ich kein Statement abgeben, sondern vielmehr die aktuellen Statements zusammenfassen. Und durch meine anderen Arrangements möchte ich eine neue Denkart auf die Dinge anregen.“

„This Bitter Earth“ ist eine gelungene, mal sarkastisch-witzige, mal tief berührende Retrospektive auf die großen Jazzsongs der Vierziger bis Sechziger – das aber mit zeitgenössischem Blick. Großartig!

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