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Neues Album „Happier than ever“ von Billie Eilish: Verliebt in die eigene Zukunft

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Billie Eilish hat sich auf ihrem zweiten Album „Happier than ever“ nicht neu erfunden – und das ist eine gute Nachricht. Mit ihrem Bruder arrangiert Eilish in gewohnter Manier aktuelle Sounds aus Quellen wie Jazzstandards und den Beatles. Die Markenzeichen von Eilishs Musik werden so eher noch verfeinert.

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Eilish ist eine Inspiration für eine ganze Generation junger Frauen

Kein anderer Popstar, schon gar keine andere junge Newcomerin, hatte in den letzten Jahren mehr Erfolg und Wirkung als Billie Eilish. Ihr Debütalbum, das die Kalifornierin im März 2019 mit 17 veröffentlichte, verkaufte sich millionenfach und trug ihr fünf Grammys ein.

Ihr minimalistisch-düsterer Elektropop begeisterte Fans wie Feuilleton, und mit ihrem Schlabberlook entzog sie sich der üblichen Erotisierung und inspirierte damit eine ganze Generation junger Mädchen und Frauen. 

Billie Eilish hat sich auf ihrem heute erscheinenden zweiten Album nicht neu erfunden – und das ist eine gute Nachricht....Posted by SWR2 on Friday, July 30, 2021

Die Sängerin ist sich selbst treu geblieben

Eine gute Nachricht ist schon mal, dass Billie Eilish sich nicht neu erfunden hat, wie es das irrsinnig schnell drehende Popbusiness von seinen großen Stars inzwischen schon fast im Jahresrhythmus verlangt. Und dass sie sich auch nicht die ähnlich obligatorische Armada von Hitschreibern hat aufschwatzen lassen. 

Stattdessen ist „Happier than ever“, wie das Album täuschend fröhlich heißt, wieder eine Gemeinschaftsarbeit von Billie und ihrem viereinhalb Jahre älteren Bruder Finneas, der sie als Produzent, Co-Autor und Instrumentalist von Anfang an begleitet hat. 

Eine Verfeinerung der Markenzeichen

Die beiden arrangieren wieder himmlische Chöre, haben ein Talent für rührende Romantik ganz ohne Kitsch, lassen treibendere Songs gern vom Dancefloor ins Alptraumhafte rutschen und federn dergleichen dann mit lässig elektrifiziertem Bossa Nova ab. 

Eine Verfeinerung der Markenzeichen also, keine gefälligere Neuausrichtung, auch wenn das zu befürchten schien, als Billie Eilish sich kürzlich ihre Haare vielbeachtet von Teenagergrün zu Madonnablond umfärbte und dann auch noch schwer lasziv vom Cover der Vogue blickte, und zwar nicht im gewohnt formverhüllenden Sweatshirt, sondern in cremefarbener Unterwäsche mit Strapsen. 

Aber das war dann doch nicht als Rückfall in Pinup-Klischees zu deuten, sondern Ausdruck von Selbstsicherheit und Freiheit, so wie auch viele dieser neuen Songs.

Eine Klage gegen eine vereinnahmende Fan-Öffentlichkeit

Schon in der Vorab-Single „My Future“ hatte Billie Eilish gesungen, sie sei verliebt, aber nicht in eine Person, sondern in ihre Zukunft. Im Song „Getting Older“ nimmt sie sich vor, bei sich zu bleiben, und beim Titelsong „Happier Than Ever“ heißt die ganze Zeile: „When I am away from you, I’m happier than ever“ also: Wenn ich nicht bei dir bin, dann geht’s mir besser denn je.

Aber sie klagt an anderer Stelle auch eine Fan-Öffentlichkeit an, die ihre Held*innen vereinnahmt und unablässig bewertet, vor allem äußerlich. Der Song „Everybody Dies“ ist eine Meditation über existenzielle Einsamkeit, die man von 19-Jährigen sonst nicht so oft hört.

Eine großartige CD ohne den ganz großen Hit

Das alles mit dieser brüchigen Flüsterstimme, die selbst simpleren Versen ein Geheimnis verleiht. Als gesangliche Inspiration nennt Billie Eilish Uralt-Ikonen wie Frank Sinatra oder Julie London, und auch den Akkordfolgen ihres Bruders Finneas merkt man, dass er Jazzstandards kennt und die Beatles liebt. 

Wie die beiden das mit sehr gegenwärtigen Beats und Klangexperimenten verbinden, das ist, auch wenn der ganz große Hit diesmal wohl fehlt, einmal mehr großartig zu hören. 

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