Rock

„Unlimited Love“ - Red Hot Chili Peppers legen neues Album vor

STAND
KÜNSTLER/IN
Red Hot Chili Peppers
AUTOR/IN
Dirk Schneider

„Unlimited Love“, das neue Album von den Red Hot Chili Peppers, knüpft an die besten Zeiten der Rockband an, findet Musikkritiker Dirk Schneider. Das Album wurde mit großer Spannung erwartet. Nicht nur, weil es das erste Album seit sechs Jahren ist, auch Gitarrist John Frusciante, mit dem die Band ihre größten Erfolge feierte, ist für die neue Platte zurückgekehrt.

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John Frusciante ist als Gitarrist zurück bei den Peppers

„Black Summer“, das als Single-Vorbote des neuen Red Hot Chili Peppers-Albums erschienen ist, hat völlig zurecht für große Aufregung gesorgt: Was für ein Kracher, der ohne Weiteres an die besten Zeiten der Band aus Los Angeles anzuknüpfen scheint.

An der Gitarre: John Frusciante. Das jüngste Bandmitglied war mit nur 18 Jahren nach dem Drogentod von Hillel Slovak zur Band gekommen und mehrmals wieder ausgestiegen. Doch bei den größten Alben, „Blood Sugar Sex Magik“, „Californication“ und „Stadium Arcadium“ war es seine Gitarre, die neben der markanten Stimme von Anthony Kiedis, dem hüpfenden Bass von Flea und dem vielseitigen Schlagzeug von Chad Smith den einmaligen Chili-Peppers-Sound ausmachte, der in seinen besten Momenten an die Ewigkeit zu rühren scheint.

Rick Rubin produzierte die Platte


Und tatsächlich hört sich Vieles auf „Unlimited Love“ nach einer Heimkehr an. Auch ihrem Stammproduzenten, dem legendären Rick Rubin, hat sich die Band wieder anvertraut – das Vorgängeralbum „The Getaway“ war mit Danger Mouse, einer anderen Produzentengröße von der Ostküste, noch auf der Suche nach einer neuen Klangidentität mit großen Poparrangements.

„Unlimited Love“ also: Ob der Albumtitel zu beschreiben versucht, was die Band nach ihrer, nennen wir es ruhig mal „Wiedervereinigung“ im Studio erlebt hat? Produzent Rick Rubin, der Hüne mit dem grauen Vollbart, soll bei den ersten Proben in Tränen der Rührung ausgebrochen sein.

Nach dem Titelsong lässt das Album zunächst nach

Und ein paar Rührungstränen darf auch jeder alte Fan der Chili Peppers vergießen, wenn er „She’s A Lover“, „It’s Only Natural“ oder, ha, „Let Em Cry“ hört, Songs, in denen dieses Quartett so gut funktioniert wie lange nicht mehr. Vielleicht aber auch Tränen der Erleichterung, denn wer dieses Album Stück für Stück durchgeht, erlebt nach der Eröffnung mit „Black Summer“ erstmal einen Absturz.

Der absolute Tiefpunkt ist mit dem vierten Song erreicht, der superglatten Ballade „Not The One“, in der die Band auf alles verzichtet, was sie gut kann. Anthony Kiedis' Stimme löst sich in einem völlig beliebigen Nichts von einem Sound auf.

Nach 40 Karrierejahren klingen die Peppers nach sich selbst, ohne wie eine Parodie zu wirken

17 Songs bescheren uns die Red Hot Chili Peppers mit „Unlimited Love“, ganze 50 neue Stücke sollen sie aufgenommen haben und überlegen, so heißt es, bald ein zweites Album folgen zu lassen. Da ist Vorsicht angebracht, nicht alle der 17 Stücke hätten es auf dieses Album schaffen müssen.

Aber man kann sagen, dass die Suche der Chili Peppers nach ihrer alten Identität insgesamt gelungen ist. Die Rückkehr von John Frusciante wird mit ein paar Gitarrensoli gefeiert, im Zusammenspiel klingt er, als hätte er diese Band nie verlassen – diese Band, die einst dafür berühmt war, nur mit Socken über ihren Geschlechtsteilen bekleidet aufzutreten.

Die ihre Musik immer wieder in den Dienst sozialer und linker politischer Anliegen gestellt hat, aber in ihrer Karriere auch einige Vorwürfe sexueller Übergriffe auf ihrem Konto hat. Und nun eine Band, die es nach über 40 Jahren noch schafft, nach ihrem jüngeren Selbst zu klingen, ohne zu dessen Parodie zu werden. Für letzteres: Respekt.

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Dirk Schneider