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Der US-Amerikaner Wynton Marsalis ist einer der bekanntesten Jazztrompeter der Gegenwart und künstlerischer Leiter des „Jazz at Lincoln Center" in New York. Marsalis gilt als Vertreter des traditionellen Jazz und kann alle Stile der Vergangenheit perfekt adaptieren. Mit seiner aktuellen Veröffentlichung „The Democracy! Suite“ allerdings bezieht der Künstler ganz klar Stellung. Mehr Demokratie wagen, fordert der Trompeter gemeinsam mit dem Jazz at Lincoln Center Orchestra.

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„Be Present“ als Motto für das gesamte Album

„Be Present“ ist der erste Titel auf der CD „The Democracy! Suite“, die Wynton Marsalis mit dem Jazz at Lincoln Center Orchestra aufgenommen hat. Das Stück wird hellwach und munter präsentiert und steht wie ein Motto über der ganzen Produktion. Es ist eine Orchestersuite, die mit jedem ihrer acht Teile daran erinnern soll, dass die Demokratie keine Spielwiese ist, sondern alltäglich engagierten Einsatz fordert. Wir alle müssten uns die Frage stellen, was wir tun können, um die Zustände zu verbessern, erläutert Wynton Marsalis:

Ein Staat ist ein großes System und er neigt natürlich dazu, undurchdringlich und korrupt zu werden. Wir als Bürger müssen uns da mehr einbringen - sonst bleiben wir Steuerzahler, die mit ihrem Geld eine Elite finanzieren.

Wynton Marsalis

Wynton Marsalis: Der Lordsiegelbewahrer des Jazz

Dem 1961 in New Orleans geborenen Wynton Marsalis wurde immer wieder vorgeworfen, ein stockkonservativer Jazz-Musiker zu sein. Sein Horizont reiche nicht über die Swing-Ära hinaus, er verachte alles Neue und Innovative, pflege dafür aber seinen Retro-Kult. Die Kritik, bei der sicher auch viel Neid auf den Erfolg des Trompeters mitschwingt, unterschlägt dabei wichtige Aspekte.

Wynton Marsalis versteht sich zwar als Lordsiegelbewahrer des Jazz, gleichzeitig betont er aber auch dessen politische und gesellschaftliche Einflussnahme. Musik ist für ihn keineswegs nur das nette Arrangement auf einem Plattenteller. Wynton Marsalis glaubt daran, dass man mehr politische Teilhabe realisieren könne.

Wir leben in einer Demokratie und wir sollten darum kämpfen!

Wynton Marsalis

Musik für die Black Lives Matter-Bewegung

Einen Titel der Orchestersuite „Sloganize, Patronize, Realize, Revolutionize“ hat Wynton Marsalis der Black Lives Matter-Bewegung gewidmet. Mit einem furiosen Solo schreit darin ein Saxofon empört seinen Zorn über die unhaltbaren Zustände für die People of Color hinaus, während die Band nervös im Hintergrund agiert. Musikalisch wird das vom Jazz at Lincoln Center Orchestra hervorragend umgesetzt.

Dabei sei niemand „Chef im Ring“ gewesen, denn die Produktion solle als Metapher für eine perfekte Demokratie dienen, betont Wynton Marsalis. Eine Demokratie sei wie ein lebendiger Organismus, der jedem individuelle Chancen zur Entwicklung geben sollte. Genau so wäre es im Jazz.

In unserem Ensemble haben wir die Freiheit jedes Mal, wenn wir spielen, neue Möglichkeiten auszuprobieren. Nur so kann man eine kollektive Balance finden und die Musik fängt an zu swingen.

Wynton Marsalis

Die CD „The Democracy! Suite“ ist live im Lincoln Center in New York aufgezeichnet worden. Die Gesamtspieldauer beträgt zwar lediglich 45 Minuten, aber die haben es in sich.

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