Musik

Techno in Deutschland – Das Festival „Nature One“ im Hunsrück

STAND
AUTOR/IN
Mareike Gries

Elektronische Musik aus Deutschland ist weltberühmt. Die Hotspots der Technoszene sind zwar Berlin und Frankfurt. Doch ausgerechnet im beschaulichen Hunsrück findet eines der größten Technoevents Europas statt. Die achtteilige ARD-Reihe „Techno House Deutschland“ in der ARD Mediathek beleuchtet das Traditionsfestival Nature One, mitten in der rheinland-pfälzischen Provinz.

Audio herunterladen (3,4 MB | MP3)

ARD-Doku über die Nature One

Wer das Festival Nature One besucht, betritt eine andere Welt. Diese Welt liegt auf der Pydna, einer ehemaligen Raketen-Basis der Nato im Hunsrück.

Jüngere DJs sowie Veranstalter*innen der ersten Stunde kommen in den beiden jeweils halbstündigen Dokus über das Techno-Festival Nature One zu Wort, die im Rahmen der achtteiligen ARD-Reihe „Techno House Deutschland“ entstanden sind.

Wie der Techno in den Hunsrück kam

Genauso wie Anwohnende und Fans wie Sascha und Jessica. Sie haben sich vor zehn Jahren auf der Nature One kennengelernt: „Andere Leute fahren im Urlaub nach Mallorca, wir fahren in den Urlaub vier Tage Nature One.“

„Wie der Techno in den Hunsrück“ kam, so heißt der erste Teil der Dokumentation. Dass eines der mittlerweile weltweit größten Festivals für elektronische Musik ausgerechnet im Hunsrück stattfindet, liegt an dem Schweizer Veranstalter Nik Schär.

Ein Woodstock für elektronische Musik

„Mir schwebte vor, direkt groß anzufangen: Ich mach das erste große Open Air für Elektronische Musik“, berichtet Schär von den Anfängen der Nature One. „Einem guten Freund sagte ich: Ich mache ein Woodstock für elektronische Musik. Da sagt er: Das ist eine ganz schlechte Idee.“

1995 war das, damals noch mit einem einzigen Dancefloor auf dem Flughafen Hahn. 13.000 Besucher kamen – ein großer Erfolg. Allerdings nicht aus Sicht der Anwohner.

„Nach 1995 war klar, dass wir nicht mehr auf dem Flughafen Hahn spielen können. Die Einwohner vom Dorf haben keine Sekunde geschlafen in der Nacht“, erinnert sich Nik Schär. Dann kam der Hinweis zu dem Gelände der ehemaligen Atomraketenbasis in Katellaun.

Und plötzlich entsteht Techno-City

Auf dieser Basis wird bis heute gefeiert, immer Anfang August, wenn nicht gerade ein Virus wütet. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Besucher – teilweise mehr als 70.000.

Ausnahmezustand in der beschaulichen Region, sagt Star-DJ Dr. Motte in der ARD-Doku: „Wenn man da hinkommt, denkt man: Wo bist Du denn hier in der Pampa gelandet? Und plötzlich entsteht Techno City.“

Das Festivalgelände hat sich mit den Jahren in die Landschaft gefressen. Manche Besucher kommen gar nicht mehr für Dancefloors und prominente DJs. Sie bleiben auf dem weitläufigen Campingplatz, wo Besucher*innen und Fans selber Musik auflegen.

Ein Friedenssymbol mit dunkler Geschichte

Im zweiten Teil der Doku, unter dem Titel „Nature One – mehr als Musik“, wird besonders das außergewöhnliche Gelände und dessen Geschichte als Atomraketenbasis beleuchtet. Jutta von Dahl aus der Hunsrücker Friedensbewegung erinnert sich noch sehr genau an diese Zeit.

„Die jungen Leute, die hier tanzen – das wundert mich, dass viele das völlig ausblenden können, wo sie sich befinden. Mich hätte dieser ganze Stacheldraht und das alles ein Stück weit gelähmt, denke ich.“

Die Verantwortlichen sind sich der dunklen Vergangenheit der Pydna bewusst. Sie sehen Nature One als Friedenssymbol, so wie der weltbekannte DJ Paul van Dyk. „Ich finde es grundsätzlich immer gut, wenn militärische Einrichtungen befriedet werden. Wenn das Ganze noch musikalisch passiert – umso besser!“

Clubkultur #EndlichWiederBässe — Wie steht es um die Clubs im Südwesten?

Konzerte erleben, Freunde und Freundinnen treffen, die Nacht durchtanzen — all das haben uns Club-Besuche vor Beginn der Corona-Pandemie ermöglicht. Seit über einem Jahr ist das vorbei. Wie geht es weiter für die Szene? Die Reihe #EndlichWiederBässe besucht Clubs in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.  mehr...

Gespräch Mehr Clubkultur für weniger Abwanderung - Kulturmanager Dimitri Hegemann will Städte aufwerten

Clubs lösen Mikrokonjukturen aus, ist sich Dimitri Hegemann sicher. Er ist der Gründer des weltweit berühmten Berliner Techno-Clubs Tresor und der Beratungsagentur „Happy Locals“, die in kleineren Städten Kulturangebote speziell für junge Leute anbieten will. Das würde vor die Abwanderung der jungen Intelligenzija verhindern, sagt Hegemann.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Ausstellung „Von Kraftwerk bis Techno“ — Auf den Spuren der elektronischen Musik im Kunstpalast Düsseldorf

Während die Clubs in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Corona-bedingt immer wieder zwischen Schließung und offen mit begrenzter Kapazität navigieren müssen, blickt die Ausstellung „Electro. Von Kraftwerk bis Techno“ im Düsseldorfer Kunstpalast bis 15. Mai 2022 auf die große Geschichte hinter der elektronischen Musik. Peter Backof hat sie besucht.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Der Beat unserer Zeit: Techno-Museum MOMEM eröffnet in Frankfurt

Die Musikrichtung Techno kommt zwar aus Detroit, aber Frankfurt ist die Kernzelle dieser elektronischen Musik für Deutschland gewesen, sagt der Techno-Kenner Christian Arndt. „MOMEM: Museum of Modern Electronic Music“ heißt das erste Techno-Museum in Deutschland, das mitten in Frankfurt eröffnet wird. Techno im Museum, ist das das Ende einer Subkultur? Das sieht Arndt anders. Im Gegenteil müsse man den jungen Leuten auch erklären, was vor über 30 Jahren passiert ist, sagt er. Und auch als Museum müsse man „am Puls der Zeit bleiben“. Die Eröffnung-Ausstellung ist einer Legende der elektronischen Musik gewidmet: Dem deutschen DJ Sven Väth, der seit über 40 Jahren in der Szene aktiv und international bekannt ist.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Musik Der Technoclub als Heilstätte - DJ Bebetta über die positive Wirkung von Beats

Ihr Psychologiestudium hat sie zu Gunsten der Musik abgebrochen. Nun mischt die Bremerin Bebetta mit ihrem sogenannten Märchentechno ganz oben in der DJ-Szene mit. Das Abtanzen auf einen guten Mix aus verschiedenen Technostücken bietet ihrer Meinung nach nicht nur kontrollierte Eskalation, sondern hat auch eine heilende Wirkung auf die Psyche.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

SWR2 Zeitgenossen Dominik Eulberg: „Für mich ist die Natur der größte Künstler von allen“

„Eintagsfliege“, „Siebenschläfer“ und „Neuntöter“ – so heißen Titel auf dem neuen Album von Dominik Eulberg. Und sie machen die beiden Leidenschaften des Westerwälder Künstlers deutlich: die Natur und die Techno-Musik.  mehr...

SWR2 Zeitgenossen SWR2

STAND
AUTOR/IN
Mareike Gries