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Mit seinem ersten Nummer-Eins-Hit entwarf Elvis Presley ein neues Pop-Element: das Psychodrama. Heute ist der Song ein Rock'n'Roll-Klassiker.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:20 Uhr
Sender
SWR2

Das Ende einer Liebesgeschichte

Es ist eine tieftraurige Geschichte, die der King im Lied über das Hotel der gebrochenen Herzen erzählt: Ein Mann sitzt allein in seinem Zimmer, seine Frau hat ihn verlassen. „Ich gehe auf der Straße der Einsamkeit“ – „I walk a lonely street“, legt Elvis dem Verlassenen in den Mund. Am Ende wird sich dieser Mann das Leben nehmen.

„Er singt es so, als würde er aus den Tiefen der Hölle singen.“

Paul McCartney

„Heartbreak Hotel“ klang anders als die Songs, die Elvis seit seinem Debüt im Jahr 1953 aufgenommen hatte. Das waren vorrangig beschwingte Tanznummern – denn der frühe Rock'n'Roll war Tanzmusik – oder gefühlvolle Balladen, beides im Spannungsfeld zwischen dem Blues der Schwarzen und dem Country der Weißen.

Von der Zeitungsmeldung zum Nummer-Eins-Hit

Geschrieben hatte ihn die Lehrerin und Gelegenheitskomponistin Mae Boren Axton, nachdem sie in der Zeitung vom Suizid eines jungen Mannes gelesen hatte, dessen Abschiedsbrief nur aus einer Zeile bestand, mit den besagten magisch-abgrundtief-trostlosen Worten: „I walk a lonely street“.

Ein Gespür für gute Songs

Elvis Presley, der Lastwagenfahrer aus ärmlichen Verhältnissen in Mississippi, war kein Songschreiber und erst recht kein Rebell. Er war ein höfliches Muttersöhnchen, der ein guter Amerikaner sein wollte und viel Wert auf Bescheidenheit legte. „Ich habe einfach viel Glück gehabt“, hat er einmal gesagt. Doch zu diesem Glück kam sein Talent, gute Songs zu erkennen. Songs wie „Heartbreak Hotel“.

Elvis hatte von Anfang an mehr erotische Ausstrahlung in die Popmusik gelegt als andere Sänger seiner Zeit: mit der eindringlichen Stimme, die sich von tiefen Bässen bis zu einem erregten Tenor aufschwang, und den körperbetonten Auftritten, sowie den kreisenden Hüften.

Der richtige Song zur richtigen Zeit

Mit „Heartbreak Hotel“ schenkte er dem Pop ein entscheidendes neues Element: das Psychodrama. Die Geschichte vom einsamen jungen Mann im Hotel der gebrochenen Herzen traf den Nerv einer sehnsüchtigen Jugend, die im Aufbruch, vielleicht auch im Aufruhr war. Zum Erfolg trug sicherlich auch bei, dass Elvis das Lied bei seinem ersten großen Fernseh-Auftritt sang. „Heartbreak Hotel“ wurde sein erster Nummer-Eins-Hit und verkaufte sich acht Millionen Mal. Im Jahr 1995 wurde der Song in die Grammy Hall of Fame aufgenommen und das Musikmagazin Rolling Stone erklärte ihn 2004 zu einem der "500 großartigsten Songs aller Zeiten".

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