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Während Museen, Theater und Kinos unter Auflagen wieder öffnen dürfen, bleiben die Musikclubs weiterhin geschlossen. Das trifft nicht nur die Betreiber*innen hart, sondern auch DJswie MoeRockZ aus Mannheim. Er legt hier seit 17 Jahren auf und ist eine feste Größe in der Musikszene. Jetzt macht er sich große Sorgen um die Zukunft der Musikclubs und seine Engagements.

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DJ MoERockz hat Verständnis für die Schließung der Clubs – alles andere wäre Wahnsinn gewesen, sagt er. Aber jetzt blickt er mit Sorge auf die Zukunft der Clubs in Mannheim. Der 46-Jährige kennt sie alle, ist mit einigen Betreibern befreundet und weiß, dass Vielen das Wasser bis zum Hals steht.

Interaktion mit dem Publikum das „A und O“für DJs

Am Anfang der Pandemie hat Moe, der mit bürgerlichem Namen Mounir Habli heißt, kurz überlegt, ob er zu Hause auflegen und das Ganze im Internet streamen soll, aber als DJ sei die Interaktion mit dem Publikum das A und O: Die Leute genau beobachten, ständig die Stimmung analysieren, das mache einen guten DJ aus. Die meisten DJs verstünden sich als Künstler, aber man dürfe nie vergessen, dass man in erster Linie Dienstleister sei.

Angefangen in 80er Jahren aus Begeisterung für den Rap

Moe legt seit 17 Jahren als DJ auf. „Manchmal ist es ein Knochenjob“, sagt der 46-Jährige. Angefangen hat alles in den 80er Jahren mit seiner Begeisterung für den gerade aufkommenden Rap. Als Teenager verbrachte er mit seinen Freunden fast jede freie Minute in Plattenläden. Zuerst gab es nur Rap und Hiphop für ihn. Das war nicht nur Musik, sondern auch ein Lebensgefühl dazu gehörten auch Breakdance und Graffiti. Moe gründete mit seiner Clique eine Band, die „Knights of Bass“, ging damit auf Tour und leistete Pionierarbeit in Sachen Hiphop.

In der Szene machte er sich einen Namen. Aber Moe verstand sich immer als underground-Künstler, kommerzieller Erfolg interessierte ihn nicht, sagt er. Anfang der 90er Jahre gründete er ein eigenes Label, um seine Musik auf Schallplatten zu brennen, doch 2003 war damit Schluss: Vinyl-Platten waren out, selbst die DJs benutzten lieber Laptops anstatt schwere Plattenkoffer zu schleppen.

Clubs sollten wieder öffnen, bevor DJ MoERockZ seine 15.000 Platten gehört hat

Seitdem ist Moe als DJ MoERockZ unterwegs – und hat seine musikalische Bandbreite enorm erweitert. Und jetzt? Die Corona-Zwangspause hat Moe dazu genutzt, seine Wohnung zu renovieren und dabei endlich mal wieder Schallplatten gehört: rund 15.000 besitzt er, aber er hofft inständig, dass er wieder als DJ auflegen darf, bevor er die alle durchgehört hat!

DJ MoERockZ ist am Freitag, 19.6. ab 20 Uhr zu Gast in der Talk-Reihe „Muted“ der Alten Feuerwache Mannheim. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Es gibt nur 99 Plätze.

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