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Für viele ist der Tenorsaxofonist mittlerweile so etwas wie die Inkarnation des modernen Jazz. Bereits vor fünfundzwanzig Jahren, als er 65 wurde, machte die New Yorker Wochenzeitung „Village Voice" mit der Überschrift auf: „The Greatest Living Jazz Musician“. Am 7. September feiert Sonny Rollins seinen 90. Geburtstag.

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Er strebe nach Vollkommenheit, bekannte der Altersweise in einem seiner seltenen Interviews, aber er wisse, dass er diese Welt als Unvollendeter verlassen werde.

Ich suche die Verbindung mit dem Unterbewussten, mit dem tiefsten Inneren, das sich schwerlich in Worte fassen lässt. Ein Punkt, an dem alles andere ausgeblendet ist und sich die Kreativität frei entfalten kann.

Sonny Rollins, Tenorsaxofonist

Das Spiel von Sonny Rollins lässt einen mit Naturgewalt dahinfließenden Strom von Ideen assoziieren. Nicht die Variation des Themas, sondern die Improvisation selbst wurde bei ihm zur Kunstform. Dabei verdankt der Jazz dem Tenor-Giganten auch prägnante Stücke, die heute zu den glänzendsten im Repertoire der Standards zählen.

Die Musik als Spiegel seiner Person

„St. Thomas“, ein Titel, der zu einem Markenzeichen von Sonny Rollins wurde – eine Reminiszenz an seine karibischen Vorfahren. Mit der „Freedom Suite“ von 1958 thematisierte er als einer der ersten im Jazz den Kampf der Afroamerikaner*innen für Freiheit und Gleichberechtigung.

Seither gilt Rollins auch als eine moralische Instanz. Unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gab er ein denkwürdiges Konzert. Vielleicht, sagte er, sich an sein Publikum wendend, könne die Musik, diese wundervolle Gabe, der Welt ein wenig zum Besseren verhelfen. Zumindest gelte es, dies zu versuchen – und darin ist sich Sonny Rollins Zeit seines Lebens treu geblieben.

Sonny Rollins hat sich in das Zeitgeschehen eingemischt, aber auch  mehrfach von der Musikszene zurückgezogen. Ende der fünfziger Jahre übte er monatelang ganz allein auf der New Yorker Williamsburg Bridge, hoch über dem East River. Sein letztes Konzert gab der Saxophon-Gigant 2012; zwei Jahre später musste er gesundheitsbedingt ganz mit dem Spielen aufhören. Seine Platten zählen längst zu den Meisterwerken des Jazz und sind afroamerikanische Beiträge zum Weltkulturerbe.

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