Demonstrantin hält Iranflagge in die Höhe, an den Augen ist Blut gemalt (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / ZUMAPRESS.com | Probal Rashid)

Iran-Proteste

Songs der iranischen Freiheits- und Protestbewegung

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AUTOR/IN
Natalie Amiri
Naika Foroutan
Nasrin Karimi
Stephan Detjen
ONLINEFASSUNG
Sebastian Kiefl

Bereits seit dem 16. September 2022 finden im Iran landesweit Proteste gegen die autoritäre Regierung des Staates statt. Bei der Freiheits- und Protestbewegung spielt Musik eine wichtige Rolle, in diesem Kontext sind auf dieser Seite Songs der Bewegung mit Erläuterung und Übersetzung zu finden.

SWR2 Podcast „Was geht - was bleibt?“ zu den Protest-Liedern im Iran:

Audio herunterladen (30,5 MB | MP3)

1. Shervin Hajipour: Baraye

„Baraye“ ist die Hymne der Protestbewegung im Iran. Die Zeilen des 25-jährigen Shervin Hajipour bestehen aus Tweets der Protestierenden, die er zu einer Textcollage zusammengeführt hat. "Baraye", das persische Wort für "dafür", besingt die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit und den alltäglichen Dingen, die den Iranerinnen und Iranern fehlen.

Shervin Hajipour war zunächst kurz nach der Veröffentlichung des Lieds in Instagram und nach seiner viralen Verbreitung in den sozialen Medien im Iran festgenommen worden. Gegen Zahlung einer Kaution ist er inzwischen wieder freigekommen. Eine Rechteklärung lässt sich nicht herstellen. Der Song wird weltweit als zeitgeschichtliches Dokument auch im Radio gespielt.

2. Ali Azimi / Golshifte Farahani: Marze Por Gohar

„Marze Por Gohar“ wurde von dem in England lebenden iranisch-stämmigen Musiker und Sänger Ali Azimi produziert, den er gemeinsam im Duett mit der Star-Schauspielerin Golshifteh Farahani singt. Der Titel dieses Songs nimmt Bezug auf „Ey Iran – Ey Marze Por Gohar“ (Iran, das Land der wertvollen Linien bzw. Grenzen), ein Lied des Songwriters Rohollah Khaleghi, das im Jahr 1979 für eine kurze Dauer die Nationalhymne Irans war.

Der Text des Songs von Ali Azimi bezieht sich auf die aktuelle Situation im heutigen Iran. Iran wird darin als das geliebte Land beschrieben, das reißenden Wölfen zum Opfer gefallen ist. Ali Azimi hat uns schriftlich eine Rechtefreigabe für Radio in Deutschland erklärt.

3. Yashgin Kyäni: Bella Ciao

Bella Ciao, das bekannte italienischen Partisanenlied, wird von Yashgin Kyäni in Farsi auf den Freiheitskampf der Iraner:innen gegen die islamische Republik adaptiert. Der Text des persischen Songs ist völlig anders als das italienische Original.

Aktuell gilt die von Yashgin Kyäni gesungene Version von Bella Ciao neben Shervin Hajipours Song „Baraye“ als Hymne der Freiheitsbewegung in Iran.

4. Golazin (Gola) Ardestani: „Hagham-e“ (Es ist mein Recht)

Der feministische Song Haghame (Es ist mein Recht) ist eines der populärsten Lieder der iranischen Frauenbewegung. Der Kampf für das elementare Recht der Kleiderwahl steht hier für den Kampf für Frauen- und Freiheitsrechte. Die Verszeile „Dass der Wind auf der Straße durch meine Haare weht, ist mein Recht“ knüpft an die Parolen der bekannten iranischen Aktivistin Masih Alinejad (Biographie „Wind in meinen Haaren“ ) an.

Golazin ist eine iranisch-stämmige und aktuell in London lebende Musikerin und Mitglied der ersten Mädchen-Band Irans. Viele ihrer Songs handeln von der politischen Befreiung von Iranerinnen und Iranern. Golazin wird mit dem Satz zitiert: „The Islamic Republic must be afraid of my generation. We'll fight the regime!“

Musikgespräch Cymin Samawatie über die Iran-Proteste und Musik als Widerstand

Mit Hoffnung aber auch viel Trauer beobachtet die Musikerin Cymin Samawatie die Lage im Iran. Bereits zu den letzten Protesten hat sie Songs geschrieben, immer innerlich und emotional, denn das sei ihre Art des Kunstmachens. Sie spricht über politische Musik in der aktuellen Widerstandsbewegung und wie gerade Frauen auch in der Kulturszene im Iran immer noch drangsaliert und schlechter gestellt werden.

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Forum Wut unter dem Schleier - Was bewirkt der Protest im Iran?

Matthias Heger diskutiert mit
Dastan Jasim, Giga-Institut Hamburg
Nikta Vahid-Moghtada, Freie Journalistin
Prof. Dr. Susanne Schröter, Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam

SWR2 Forum SWR2

Musikthema Die iranische Sängerin und Komponistin Marjan Vahdat

Marjan Vahdat wächst in einem liberalen Elternhaus auf. Ihre Familie steht der Islamischen Revolution 1979 mit ihren strengen Regeln kritisch gegenüber. Diese Haltung überträgt sich auch auf Marjan: Sie fühlt sich in ihrer musikalischen Karriere in ihrer Heimat stark eingeengt, verlässt für ihr Studium den Iran, lebt über zwanzig Jahre in Europa, geht zurück nach Teheran und dann ins Exil. Gerade hat sie das Album „Our Garden is Alone“ veröffentlicht.

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Zeitgenossen | ARD Themenwoche: Wir gesucht! Was hält uns zusammen? Zahra Deilami: „Ich bin eine Mehrheimische“.

Zahra Deilami floh als junge Frau mit ihrer Familie aus dem Iran nach Deutschland. Hier musste sie das Abitur nochmal machen und studierte dann Kulturpädagogik. Die Fragen, wie das Zusammenleben verschiedener Kulturen gelingen kann, wurde zum Schwerpunkt ihrer Arbeit.

SWR2 Zeitgenossen SWR2

Gespräch „Das Auswärtige Amt hat verstanden, wie ernst die Krise im Iran ist“ – Journalistin Gilda Sahebi über die Reisewarnung

Über den aktuellen Entschluss des Auswärtigen Amtes, deutsche Staatsbürger zur Ausreise aus dem Iran aufzufordern, sagte die Journalistin Gilda Sahebbi bei SWR2: „Die Botschaft ist mittlerweile auch bei der Bundesregierung angekommen, wie ernst die Lage im Iran ist. Jetzt ist klar, was viele im Iran schon seit der ersten Woche wissen: wie groß das Umsturzpotential im Land tatsächlich ist.“

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