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„Ich träume von einer friedvollen Welt und Musik ist die beste Möglichkeit, an diesem Traum zu arbeiten“ — das Zitat stammt vom Saxofonisten Charles Lloyd, der vor wenigen Wochen seinen 83. Geburtstag feiern konnte und immer noch als Musik-Messias seine große Fan-Gemeinde begeistert. Gerade erst hat der Senior beim legendären Label Blue Note Records seine neue Produktion „Tone Poem“ veröffentlicht.

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Voller Stolz hält Charles Lloyd sein neues Album „Tone Poem“ in die Kamera, um es danach einem Freund zu überreichen, der die Vinyl-Ausgabe auf einem sehr edlen Plattenspieler Runde für Runde drehen lässt. Die Vorführung genießt Lloyd ganz offensichtlich.

Ahnen und Vorbilder

Hellwach und auf vorderster Stuhlkante verfolgt er Takt für Takt alle Stücke, die er mit seiner Band „The Marvels“ eingespielt hat. Es ist eine musikalische Zeitreise, die bis zu den Ahnen und Vorbildern des Altmeisters führt.

Geboren wurde Charles Lloyd 1938 in Memphis. Ein Saxophon lag aber nicht neben der Wiege. Sein allergrößter Wunsch als Kind sei es vielmehr gewesen, Sänger zu werden, erklärt Lloyd.

„Ich selbst hatte aber keine schöne Stimme und deshalb schenkten mir meine Eltern dann ein Saxofon. Damit konnte ich dann endlich auch anfangen zu singen.“

Charles Lloyd

Früh auf Tour

Als Jugendlicher wurde Charles Lloyd musikalisch vorwiegend durch das Radio geprägt. Damals lief die Musik von Duke Ellington, Billie Holiday oder Lester Young rund um die Uhr.

Charles Lloyd perfektionierte sein Spiel sehr schnell durch Imitation des Gehörten und tourte schon vor seinem Musikstudium mit angesagten Jazz-Künstler*innen kreuz und quer durch die USA.

Prägende Begegnungen

Mit jedem der ausgewählten Stücke erzählt Lloyd eine Geschichte aus seiner unendlich langen und schillernden Karriere. Es sind die intensiven Begegnungen, die ihn prägten und die aus einem sehr guten Saxofonisten eine Ausnahmeerscheinung machten.

Er verdanke dem legendären Ornette Coleman genau so viel wie dem Sängerpoeten Leonard Cohen, gibt Lloyd ohne Umschweife zu. Mit seinem Saxofon kann der 83-Jährige immer noch singen wie kaum ein zweiter.

Für sein Album „Tone Poem“ hatten er und seine Mitstreiter sich ein Ziel gesetzt: Es solle analog und aus einem Guss klingen und nicht wie aus tausend digitalen Schnipseln zusammengesetzt.

„Was wir unbedingt machen wollten, war die Produktion wie ein Live-Konzert einfangen. Das Label hat dafür extra eine alte Tonbandmaschine reaktiviert.“

Charles Lloyd

Handverlesene Band

An der Seite des Altmeisters agiert eine handverlesene Band, in der nicht nur Bill Frisell mit seiner Gitarre für den abgehoben guten Sound sorgt. Charles Lloyd behauptet altersweise, ein „Träumer von Welten“ zu sein aber Musik für unsere Zeit zu spielen. Das ist ihm mit dieser Neuveröffentlichung vom ersten bis zum letzten Ton gelungen.

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