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Kontrabass, Klavier, Schlagzeug und Saxofon – das ist seit jeher die klassische Besetzung für ein Jazz-Quartett. Vor mehr als 25 Jahren startete so auch ein Ensemble um den Saxofonisten Joshua Redman. Die vier Musiker legten eine einzige CD vor, danach ging jeder seines Weges und machte Karriere. Jetzt ist beim Label Nonesuch Records ein zweites Album in der Urbesetzung erschienen. Leicht ergraut, aber nicht minder spielfreudig und auf einem bewundernswert hohen technischen Niveau, haben sich die Musiker zu einer neuen Quartett-Runde getroffen.

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Mit ein paar einprägsamen Takten am Klavier gestaltet Brad Mehldau den Auftakt zum Album „RoundAgain“. Brian Blade schont im Titel „Undertow" derweil noch etwas sein Schlagzeug, doch Joshua Redman klinkt sich mit dem Saxofon sofort in die Melodie ein. Auch Christian McBride lässt sich mit dem Kontrabass nicht zweimal bitten.

Zweites Album der ehemaligen „Young Lions“ nach 25 Jahren

Gut 25 Jahre sind vergangen, seit die Vier eine legendäre CD vorgelegt haben. Damals gehörten sie zur ersten Generation akademisch ausgebildeter Jazz-Musiker. Von der Kritik wurden sie als „Young Lions“ begrüßt. Für andere waren die jungen Löwen jedoch relativ zahnlose Hochschulabsolventen. Doch Karriere machten alle vier. Nach einem Vierteljahrhundert wollte der Saxofonist Joshua Redman das Quartett unbedingt noch einmal vereinen.

Der Tag, an dem sie das letzte Mal zusammengespielt hätten, sei im späten Dezember 1994 gewesen, erzählt Joshua Redman. Sie hätten sich danach zwar immer wieder mal gesehen — aber nie in der originalen Quartett-Besetzung: „Nach all den Jahren für diese Aufnahme mit den gleichen vier Leuten wieder in einem Studio zu sein, hat verdammt gut getan", so Joshua Redman.

Ein Quartett auf hohem technischen Niveau

Das Quartett agiert auf einem technischen Niveau, das andere nie erreichen. Da stimmt einfach alles. Brad Mehldau gibt den Feingeist am Klavier, Brian Blade spielt ungemein sensibel am Schlagzeug und Christian McBride bringt seinen großen Kontrabass zum Singen. Jedes Solo wird immer wieder rasch eingefangen. So kann sich auch Joshua Redman mit seinem Saxofon nicht in den Vordergrund drängen, sondern versucht, gemeinsame Schnittpunkte zu finden.

Emotionale Verständigung durch die Möglichkeiten der Improvisation

Wenn nach all den Jahren in irgendeiner Weise Verständigungsprobleme auftreten sollten, so müsse man zur Überwindung einfach die wunderbaren Möglichkeiten des Jazz nutzen, meint Joshua Redman.

„Wenn man improvisiert und sich miteinander verbindet, ist man ja emotional völlig bei der Sache und die Schwierigkeiten lösen sich einfach auf. Brad, Christian und Brian besitzen diese einmalige Fähigkeit der spirituellen Transzendenz. Deshalb wollte ich auch unbedingt mit ihnen gemeinsam spielen.“

Joshua Redman

Quartett agiert wie ein frisch eingestelltes Uhrwerk

In manchen Momenten ist die CD „RoundAgain“ fast schon zu glatt und perfekt geraten. Es fehlt diesen Überfliegern ein klein wenig Sand im Getriebe, der es bei aller vorgeführten Makellosigkeit auch mal etwas knirschen lässt. Eine sehr gute Produktion ist „RoundAgain“ aber trotzdem. Sie läuft ab wie ein frisch eingestelltes Uhrwerk. Das Quartett sollte jedenfalls am Ball bleiben und nicht noch einmal 25 Jahre bis zur nächsten CD verstreichen lassen.

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