STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Beim 34. Stuttgarter Filmwinter hat am 9. Januar der Song „Der Stuhlkreis“ der Band Rocket Freudental mit einem Video des britischen Illustrators Ged Haney den mit 1.000 Euro dotierten neuen Landesmusikvideopreis Baden-Württemberg gewonnen. Der Publikumpreis ging an „Aufeinanderliegen“ von Tiemo Hauer und Nicole Kiefner. Lobende Erwähnungen der Jury gab es für „Hinter unbewohnten Häusern“ von Kaufmann Frust und Duc-Thi Bui und für „Laharland“ von Portosol und Katharina Wibmer. Der sogenannte Buggles Award wurde in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen.

Audio herunterladen (4,2 MB | MP3)

„Der Stuhlkreis“: Punk im Ohr und britischer Humor fürs Auge

Rhythmische Drums und Sprechgesang im Ohr, und für die Augen britischer Humor – schwarz auf weiß gezeichnet zwei Männer, groß und klein, dick und dünn – die zum Song "Der Stuhlkreis" von Rocket Freudental im Musikvideo tanzen, sich foppen und mächtig auf die Trommel hauen.

„Der Stuhlkreis“ ist ein Punk Song voller Energie und bissiger Lyrics. Und im Zusammenspiel mit dem Video zum Song ist er der Gewinner des ersten Buggles Awards beim Festival Stuttgarter Filmwinter. „Das war in jeder Hinsicht eine Überraschung, wir haben gar nicht damit gerechnet, dass es so passend zu unserer neuen Platte einen neuen Musikvideowettbewerb hier gibt in Stuttgart und dass wir da so gut reinpassen", freut sich der Drummer der Zweimannband Robert Steng.

Vor allem freut er sich auch für Ged Haney, den Londoner Illustrator und Videokünstler, „weil es einfach auch unheimlich viel Arbeit ist, ich habe es ja gesehen, wie er die einzelnen Bilder am Rechner zusammenbringt, und da auch so ein Rhythmusgefühl reinbringt. Da hat er wochenlang dran gearbeitet.“

„Ein Video, bei dem man immer wieder etwas Neues entdeckt“

Prämiert hat das Video eine dreiköpfige Jury. Eine der Jurorinnen, Jessica Manstetten, lobt: „Man kann eben mit einer einfachen Idee, die gut umgesetzt ist, eine ganz neue Ebene schaffen neben der musikalischen Ebene. Und wir fanden, dass dieses Video das sehr gut macht. Es ist so ein Video, wo wir alle Lust hatten, es uns nochmal anzugucken, weil man immer wieder etwas Neues entdeckt, und es auch verdammt viel Spaß gemacht hat, das anzuschauen.“

Publikumspreis: „Aufeinanderliegen“ von Tiemo Hauer und Nicole Kiefner

Auch das Publikum hat einen Preis vergeben: Mehr als 6000 Leute haben abgestimmt – gewonnen hat am Ende der Song „Aufeinanderliegen“ von Tiemo Hauer und Nicole Kiefner. Ein melancholischer Song, in dem auf visueller Ebene im Video Schaufensterpuppen, mal von Kopf bis Fuß, mal in einzelne Körperteile auseinandergenommen, mit dem Sänger in Szene gesetzt werden. Sowohl die Bild- als auch die Textebene stimmen nachdenklich.

Perlen im digitalen Musikvideo-Dschungel – möglichst bald auch auf großer Leinwand

Mit dem neu ins Leben gerufenen Landesmusikvideopreis Buggles Award möchte Festival Co-Leiterin Giovanna Thiery zusammen mit dem Pop Büro Region Stuttgart auf Perlen im digitalen Musikvideo-Dschungel aufmerksam machen. „Das ursprüngliche Ziel ist, diese tolle Musikvideos in einem anderem Kontext zu zeigen, aber nicht nur online, sondern auf der großen Leinwand in einem Festival-Kontext, wo die Macher und das Publikum sich auch treffen und austauschen können“, erklärt Thiery. Sie hofft, schon im Sommer die Möglichkeit zu haben, die Preisträger auf großer Leinwand zu zeigen.

Der Buggles Award ist benannt nach den „Buggles“, der Gruppe, mit dessen Video „Video killed the Radio Star“ der Musiksender MTV vor 40 Jahren, am 1. August 1981, erstmals auf Sendung ging.

Alle Musikvideos des Buggles Award sind auf der Webseite des Stuttgarter Filmwinters zu sehen.

Gespräch Buggles Award: Warum die „Ästhetik des Hässlichen“ bei Musikvideos im Trend ist

„Video killed the Radio Star“ ist ein Song der Band „The Buggles“. Und das Musikvideo zu dem Song war das erste Video, das der Musiksendern MTV 1981 ausstrahlte. „Buggles Award“ heißt nun ein Wettbewerb, der Musikvideos aus Baden-Württemberg prämiert. Bei der Ästhetik von Musikvideos gebe es immer wieder unterschiedliche Trends, sagt Amelie Köppl vom Popbüro Stuttgart, das den Wettbewerb mit ausrichtet. Gerade sei die „Ästhetik des Hässlichen total trendig“. Bands machten Videos in kleinen Heim-Produktionen. Das Echte und Nicht-Perfekte, die „Realität hinter dem Instagram-Filter“ sei derzeit angesagt, so Amelie Köppl.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Stuttgart

Gespräch Wie ich lernte, das Monster zu lieben: Stuttgarter Filmwinter will Corona-Krise spiegeln

Der Stuttgarter Filmwinter steht 2021 unter dem Motto „How I learned to love the Blob“. Mit diesem ironischen Titel wolle das international bedeutende Festival die gegenwärtige Stimmung abbilden, sagt Festivalleiter Marcus Kohlbach in SWR2.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG