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Da die Endabmischung der allermeisten CD-Produktionen sehr lange dauert, ist in Corona-Zeiten der Nachschub an sehr guten Veröffentlichungen bisher noch nicht ins Stocken geraten. Im April 2018 bat das Label ECM die beiden Franzosen Jean-Louis Matinier und Kevin Seddiki mit einer eher ungewöhnlichen Instrumentalkombination ins Studio. Das Ergebnis ist die jetzt erschienene CD-Produktion „Rivages“.

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Ungewöhnlicher Dialog

Konzertgitarre und Akkordeon sind Instrumente mit sehr unterschiedlichen Charakteren. Das eine zartbesaitet, das andere manchmal etwas vorlaut. Doch was die Musiker Kevin Seddiki und Jean-Louis Matinier ihren Instrumenten entlocken und wie sie es zusammenführen, ist Musik vom Allerfeinsten.

„Schumansko“ ist der erste Titel auf der CD „Rivages“ und ein Hinweis auf ihren gemeinsamen Schnittpunkt. Sowohl der 1963 geborene Akkordeonist Matinier, als auch der knapp 20 Jahre jüngere Gitarrist Kevin Seddiki haben einen klassischen Hintergrund.

Kevin Seddiki (Foto: Kevin Seddiki)
Kevin Seddiki, Gitarre Kevin Seddiki

„Für mich ist die klassische Gitarrentechnik das Fundament auf dem sich alles aufbaut. Bereits als Achtjähriger habe ich so mit dem Instrument angefangen und dann nach und nach meinen Horizont erweitert.
Als ich dann in Straßburg studierte, kam ich mehr und mehr in Berührung mit dem Jazz und der Weltmusik. Aber alle Einflüsse und Anregungen führen mich wie in einem Kreis stets wieder zurück zu meinem Ausgangspunkt.“

Kevin Seddiki

Keine Berührungsängste

Mehr als ein Drittel der Stücke auf der CD sind gemeinsame Improvisationen. Wer den zündenden Einfall hatte, ist egal, tragfähig sind sie allemal. Die beiden Franzosen verneigen sich auch gekonnt vor ihren Lieblings-Komponisten und haben keine Probleme damit, ein populäres Volkslied oder Filmmusik zu interpretieren.

Heraus stechen die Eigenkompositionen von Kevin Seddiki. Mit großem Raffinement bereitet er seiner Gitarre und dem Akkordeon von Jean-Louis Matinier ein gemeinsames Tableau.

Jean-Louis Matinier (Foto: Thomas Radlwimmer , ECM Records)
Jean-Louis Matinier, Akkordeon Thomas Radlwimmer , ECM Records

„Ich bin als Gitarrist stets am Dialog interessiert. Dabei lasse ich mir aber viel Zeit um die Projekte mit dem jeweiligen Partner zu entwickeln.
Vor zehn Jahren lernte ich Jean-Louis zum ersten Mal in einer interkulturell besetzten Musikgruppe kennen. Die Idee, die Klänge, Farben und Möglichkeiten unserer beiden Instrumente zu vermischen, hatten wir ziemlich schnell. Aber es dauerte dann einfach bis zur Realisation.“

Kevin Seddiki

Mischung analog statt digital

Für die Endabmischung der CD „Rivages“ war neben Produzent Manfred Eicher auch die Tonmeisterin Lara Persia verantwortlich. Sie arbeitet in einem Schweizer Studio, das noch ein altes, analoges Mischpult aus dem Jahr 1978 sein Eigen nennt.

So konnten Gitarre und Akkordeon optimal abgemischt werden. Klanglich und musikalisch ist dieses Album deshalb mehr als überzeugend.

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