Musik

Jazz der wie Techno klingt: Die Jazzrausch Bigband tourt mit ihrem neuen Album „Emergenz“

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AUTOR/IN
Johannes Kaiser
KÜNSTLER/IN
Jazzrausch Bigband

Jazzrausch ist vermutlich die erste und einzige Bigband, die in einem Techno-Club beheimatet ist: dem Harry Klein in München. Die außergewöhnliche Location steht für ihre genreübergreifende Musik, die die Grenzen zwischen Klassik, Jazz, Techno und House einreißt – ein extrem tanzbarer Sound.

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Die Band als sozialer Kosmos

Der Titel „Emergenz“ des aktuellen Albums von Jazzrausch ist als Programm zu verstehen, sagt Bandgründer und Bandleader Roman Sladek, schließlich sei die Jazzrausch Bigband ein sozialer Kosmos: „Der Begriff ‚Emergenz‘ beschreibt, dass etwas Ganzes mehr sein kann als die Summe der Einzelteile, dass man als Gruppe, wenn sie gut funktioniert, erheblich mehr hinkriegt als alle einzelnen.“

Das klingt intellektuell und ein bisschen abgehoben, doch der Eindruck täuscht. Egal ob sich Bandkomponist Leonard Kuhn nun von Wittgenstein oder Beethoven, vom Mathematiker Möbius oder Goethe zu seiner Musik inspirieren lässt, in ihr spiegelt sich, was derzeit überall zu hören ist: „Ich versuche, viel moderne Musik zu hören und offen zu sein für viele verschiedene Musikstile, insbesondere elektronische Musik, denn das ja das, was wir machen“, sagt Kuhn.

Den Solist*innen auf den Leib komponiert

Gut zwei Drittel der Musik, die die Jazzrausch Bigband spielt, sind mehr oder weniger fest notiert. Bei einer 15-köpfigen Bigband geht es nicht ohne Noten.

„Ich schreibe meistens ganz bewusst für den oder die Solistin, weil ich denke, dass ein Stil gut passt oder Harmonien, die jemand besonders gern mag“, so Leonhard Kuhn

Extrem tanzbare Livemusik

Doch ein Drittel der Musik ist, wie sich das für den Jazz gehört, improvisiert. Die 15 Stücke der Platte „Emergenz“ heißen auch 15 Soli. Jedes Bandmitglied hat seinen Auftritt.

Was alle Stücke eint, ist ihre offene Aufforderung zu tanzen und das funktioniert in den Konzerten wirklich. Bei diesem Jazz kann man einfach nicht ruhig sitzen zu bleiben.

Jazz der an Techno erinnert

„Das Publikum muss aus dem Konzert rausgehen und sagen: ‚Das ist mir unbegreiflich, was ich da gerade gehört habe, das habe ich noch nie erlebt. Eigentlich mag ich gar keinen Techno, aber das fand ich geil oder eigentlich finde ich Jazz immer schrecklich, aber das fand ich irgendwie geil.‘“, so Roman Sladek. „Der Begriff Techno, der Begriff Jazz, der Begriff Klassik, von dem aus man dann gemeinsam weggeht und einen neuen Weg entdeckt.“

Das ist der Münchner Bigband in der Tat gelungen. So eine Musik hat es bislang nicht gegeben. Der Name erweist sich als Programm: ihre Konzerte sind purer Jazzrausch.

Gespräch Der Erfolg der „Jazzrausch-Bigband“ – Warum House, Techno und Bigbandsound zueinander passen

Es sei wichtig, dass man sich als Musiker jeder Musikrichtung mit Respekt nähert, sagt der Bandleader der Jazzrausch-Bigband, Roman Sladek, im SWR2 Journal am Mittag. Wenn man das tue, dann spreche inhaltlich nichts dagegen, „alles mit allem zu vermischen“. Den Erfolg der Band erklärt Sladek mit der Lebensfreude, die sich in ihrer Musik vermittele. „Wir glauben an die Verbindung einer Musik, die für den Kopf was bietet, die aber auch Spaß macht.“ Dabei sei seine Band, die Techno- und House-Musik in den Bigband-Sound integriert, nicht nur bei jungen Menschen beliebt. „Genauso ist die Sehnsucht beim älteren Publikum, dass die Musik mal wieder richtig hinlangt, richtig auf die Kacke haut.“ Die seien heilfroh, dass sie mit Anspruch richtig Spaß haben könnten. Und die würden dann eben auch in den Techno-Club kommen, um Jazzrausch zu hören. Damit passiere gewissermaßen was echt Rückschrittliches: „und zwar, dass ne Band in einem Tanzlokal spielt. Das war früher bei Bigbands genauso“, so Sladek. „Früher waren es halt Ballsäle und heute sind es Techno-Clubs. Dass da eine Band spielt, hat etwas sehr Organisches und ich glaube, das ist auch ein Grund, warum es gut funktioniert“. Insofern sei der Bigband-Sound von Jazzrausch im Techno-Club was Innovatives und gleichzeitig etwas Triviales.  mehr...

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