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Nick Cave & The Bad Seeds: "B-Sides & Rarities Part II"

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Nick Cave sagt von sich selbst, er habe schon immer die B-Seiten seiner Schallplatten lieber gemocht. Auf seiner Sammlung „B-Sides and Rarities Part II“ kann man jetzt diese raueren Versionen von „Nick Cave & the Bad Seeds“ erleben: Rare und unveröffentlichte Aufnahmen aus den letzten 15 Jahren, eine Fundgrube, die Nick-Cave-Gläubige wie Skeptiker*innen gleichermaßen beglücken dürfte.

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Caves Musik ist eine Art Folklore, die sich seit jeher ähnlicher Motive bedient

Nackt, verletzlich, intim – das sind Qualitäten einer musikalischen Präsentation, um die Nick Cave sich ernsthaft zu bemühen scheint: etwa wenn er seine Songs in der Pandemie alleine am Flügel sitzend im Londoner Alexandra Palace einspielt und von einem Filmteam begleitet als Streamingkonzert veröffentlicht. Oder wenn er unter dem Titel „Conversations With Nick Cave“ auf eine Tournee durch kleine Hallen geht, bei der er nicht nur Musik spielt, sondern auch die Fragen seines Publikums beantwortet.

Doch in der Regel bleibt bei diesen Bemühungen echte Nähe von der Inszenierung überdeckt, es bleibt: Showbusiness. So wie Caves Musik auch eine Art Folklore ist, für die er seit jeher ähnliche Motive biblischer und erotischer Symbolik bemüht, er selbst eine Art Laienpriester populärer Todessehnsucht im eleganten Dreiteiler. Auch dafür findet sich ein Beispiel auf „B-Sides and Rarities II“, eine Liveaufnahme mit dem Melbourne Symphony Orchestra, die an schmieriger Effekthascherei kaum zu überbieten ist.

Die Raritätensammlung überrascht positiv

Auf Nick Caves neuer Raritätensammlung überwiegen aber die positiven Überraschungen: Momentaufnahmen, die eben jene Nähe herstellen, die Cave zu oft nur behauptet – und die nicht immer nur schwer sind, sondern auch von Spaß im Probenraum berichten. Wie das Stück „Accidents Will Happen“, das von der Unvorhersehbarkeit des Lebens erzählt, und, wie man dazu sagen muss, sechs Jahre vor dem Tod von Caves Sohn entstanden ist.

Anerkennung gebührt hier nicht nur Nick Cave, sondern vor allem auch seinem Mitmusiker und engem Vertrauten Warren Ellis, der für die Auswahl auf „B-Sides and Rarities Part II“ verantwortlich ist. Manche Stücke müssen sich dabei allerdings regelrecht aufgedrängt haben.

Eine Fundgrube für Cave-Fans

Es finden sich nicht nur ungeschliffene Edelsteine auf dieser Zusammenstellung, sondern auch ein paar fantastische Aufnahmen, bei denen man sich wundert, dass man sie noch nie zu hören bekommen hat – wie das herrliche Duett mit Blondie-Sängerin Debbie Harry von Jeffrey Lee Pierces Stück „Free To Walk“.

Bisher hatte es ein recht unbeachtetes Dasein auf einem Tribute-Sampler zu Ehren des verstorbenen Sängers gefristet. „B-Sides and Rarities Part II“ ist eine Fundgrube, die Nick-Cave-Gläubige wie Skeptiker*innen gleichermaßen beglücken dürfte.

Musik Dünner Sound — Nick Caves Überraschungsalbum „Carnage“

„Es fiel einfach vom Himmel“, sagen Nick Cave und Warren Ellis über ihr Album „Carnage“. Erst vor wenigen Monaten war das Live-Album „Idiot Prayer“ erschienen, für das Nick Cave eigene Songs allein am Flügel im Londoner Alexandra Palace eingespielt hatte. Während er sich dort in seiner Höchstform zeigte, greift Nick Cave auf „Carnage“ in die immer gleiche Nick-Cavesche Mottenkiste. „Carnage“ fällt, ganz klar und mit Ansage, unter die Kategorie „Lockdown-Album“. Musikalisch gibt das Album über weite Strecken wenig her, die Arrangements sind so dünn wie der Sound. Doch wenn man schon „Lockdown-Album“ draufschreibt, das haben Nick Cave und Warren Ellis gemerkt, muss man sich auch einfach nicht ganz so viel Mühe geben.  mehr...

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