Rock

Neues Wanda-Album „Wanda“: Eine musikalische Umarmung – doch Einer fehlt

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AUTOR/IN
Fabian Elsäßer

Das neue Album der Wiener Band Wanda überzeugt einmal mehr mit großen Gesten und zugänglichen Melodien. Überschattet wird es von einer traurigen Nachricht – kurz vor der Veröffentlichung starb Keyboarder Christian Hummer im Alter von 32 Jahren.

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Wanda interessiert sich herzlich wenig für Rock-Normative

Gleich beim ersten Lied zuckt man zusammen. Dieser Schlagzeug-Sound ist eigentlich nur noch im Genre des volkstümlichen Schlagers en vogue. Doch einerseits waren Wanda einer gewissen Schlagerhaftigkeit in Form von Schunkelrhythmen sowie Mitsing- und Mitklatsch-Potential noch nie abgeneigt. Andererseits haben diese fünf Wiener vermeintliche Form-Vorgaben für Rockbands seit jeher freundlich ignoriert.

Wo anderswo die Gitarren schneidig anschlagen, verbreiten sie bei Wanda eher eine sanfte Brise aus offenen Akkorden und Stimmungen.

Der verstorbene Keyboarder Christian Hummer ist der Star des Albums

Und der heimliche Star ist der Keyboarder, der elegant ein paar Klaviertöne einstreut oder strahlende Klangflächen auf dem Synthesizer erzeugt: Christian Hummer, der nun nach einer langen, schweren Krankheit viel zu jung gestorben ist. Hummer wurde 32 Jahre alt.

Schon früher sorgte er mit seinen Einfällen für überraschende Wendungen, wie etwa im bekannten Song „Columbo“ aus dem Jahr 2017. 

Texte, die bisweilen Rätsel aufgeben

Sänger Marco Michael Fitzthum wiederum verfügt über die größte Rockröhre Österreichs, aber der bekennende Hemingway-Fan gibt uns in seinen Texten verlässlich Rätsel auf. 

„Ich fand‘s immer ganz ermüdend, wenn Literaten sich so auf Fährtenlese begeben, so ihre eigenen Texte durchsuchen und Genealogien erstellen oder verstehen, um welches Universum ihre Texte kreisen. Ich weiß absolut nichts zu meinen Texten zu sagen.“ 

Klischees werden augenzwinkernd in Frage gestellt

Auch auf diesem Album singt Fitzthum vom Rauchen und vom Trinken, von unerfüllten Sehnsüchten und von Raufereien. 

Aber man sollte das nie ernst nehmen. Wer einmal gesehen hat, wie der Sänger sich bei Konzerten auf seinen Gesangslautsprecher legt, um den ersten Reihen des Publikums staunend in die Augen zu sehen, kann sich sicher sein: das sind Männlichkeitsrollen, die er ironisch ausprobiert. In Wirklichkeit geht es ihm um Liebe. Ums Miteinander. 

„Columbo“ aus dem Jahr 2017:

Das Miteinander steht im Zentrum

Denn das ist der Grundgedanke dieser Band: allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz die Welt zu umarmen. Das beginnt bei sich selbst, wie Marco Michael Fitzthum 2016 bei einem Interview erklärte.  

„Wir sind schon sehr nett. Wir verzichten sicher auf ganz viel Boulevard-Tinte, indem wir so nett zueinander sind. Am liebsten hätten die Leute, dass wir uns in die Fresse hauen und Hotelzimmer zerlegen oder so. Aber wir umarmen uns einfach die ganze Zeit.“

Diese Umarmung – musikalisch wie menschlich – ist es, was eine Band im besten Falle zusammenbringt und zusammenhält. Und genau das ist die Geschichte von Wanda: eine Handvoll Freunde findet zusammen einen eigenen Musikstil, wächst aneinander, wird von Album zu Album im Rahmen ihrer Möglichkeiten immer besser und schließlich gemeinsam erfolgreich. Einer fehlt nun.  

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