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Neues ABBA-Album nach fast 40 Jahren – „Das sind Klassiker, die bleiben werden“

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Joana Ortmann

Als „großen Tag in der Geschichte der Pop-Geschichte“ bezeichnet der Pop-Kritiker Dirk Schneider den Erscheinungstag des neuen ABBA-Albums „Voyager“.

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ABBA klingen wie früher, auch wenn viele Songs auf dem Album nur Mittelmaß sind

Im Gespräch mit SWR2 analysiert Schneider, dass der Sound der ersten neuen Songs des schwedischen Pop-Quartetts seit 40 Jahren bewusst an die erfolgreiche Zeit der Band in den späten 1970er Jahre erinnere: „Das klingt alles wie früher – und das ist auch gut so.“ Die Stimmen der beiden Sängerinnen Anni-Frid Lyngstad und Agnetha Faltskog seien „gut gealtert“, findet Schneider.

Vermutlich hätten sich die beiden Songschreiber Benny Andersson und Bjorn Ulvaeus aus dem Fundus ihrer bis dato unveröffentlichten Songs bedingt, so Schneider. Das sei aber kein Makel, da beide als große Perfektionisten ihres Genres gälten. „Voyager“ enthalte zwar eine ganze Reihe von Liedern, die nur mittelmäßig seien, aber zwei seien herausragend – nämlich „Just a notion“ und „Don't shut me down“. „Das sind wirklich Klassiker – und die werden auch bleiben“, urteilt Schneider.

ABBA waren von Anfang an ein Produkt, bei dem es um Profit ging

Den Hype anlässlich der Veröffentlichung von „Voyager“ ordnet Dirk Schneider als Sehnsucht nach der „Legende von früher“ ein. Deshalb auch die im Bau befindliche Konzerthalle in London, in der ab dem kommenden Jahr Hologramm-Konzerte der Band mit so genannten „ABBAtaren“ (künstlichen 3-D-Lebewesen) stattfinden sollen.

„Was man möchte, das sind ja nicht die 70jährigen von heute“, glaubt Schneider. Bei ABBA müsse man zudem bedenken: „ABBA war schon immer Weltflucht, das war schon immer Augenwischerei." Die Band sei von Beginn an auch ein Produkt gewesen, bei dem es um wirtschaftlichen Profit gegangen sei.

Dirk Schneider ist Musikjournalist in Berlin. Er arbeitet unter anderem für SWR2 und den Deutschlandfunk.

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