Welterbe

Avery Gosfield ist Artist in Residence beim neuen Stipendien-Programm der SchUM-Städte

STAND
AUTOR/IN

Das jüdische Erbe in den sogenannten SchUM-Städten Mainz, Speyer und Worms soll einem größeren Publikum bekannt werden. Dazu gibt es nun ein neues Stipendienprogramm: Internationale Künstler*innen kommen als „SchUM-Artists in Residence" für einige Wochen in die SchUM-Städte und lassen sich von den Mikwen, Synagogen oder Friedhöfen inspirieren. Die US-amerikanische Musikerin Avery Gosfield ist eine der Teilnehmerinnen.

Audio herunterladen (3,7 MB | MP3)

Flötistin macht in Speyer Station

Die Flötistin Avery Gosfield, Leiterin des Musikensembles „Lucidarium“, gehört zu den Glücklichen, die an dem Stipendienprogramm „SchUM Artist in Residence“ teilnehmen. Mehrere Wochen wird sie in Speyer mittelalterliche Kompositionen erarbeiten.

In allen drei so genannten SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz setzen sich nun unterschiedlichste Künstler und Künstlerinnen kreativ mit dem jüdischen Erbe auseinander, so die Idee des Initiators und Jurymitglieds Günter Minas.

Avery Gosfield spielt Musik aus dem jüdischen Ghetto Venedig:

Textilkünstlerin und Architekt sind 2022 auch dabei

Zwei weitere Stipendiaten wurden ausgewählt: Die Textilkünstlerin Katya Oicherman aus Minneapolis, USA, war bereits bis vor kurzem 6 Wochen in Worms und hat mit Handstickereien eine alte jüdische Chronik illustriert. Und im August/September kommt der junge argentinische Architekt German Morales und wird sich mit den baulichen jüdischen Monumenten aller drei Städte beschäftigen.

Während andere sich historischen Mauern, Grabsteinen und jüdischen Chroniken zuwenden, will sich die Musikerin Avery Gosfield der jüdischen Klangwelt widmen. Die, wie sie sagt, leider nicht überliefert ist: „Jüdische liturgische Melodien wurden normalerweise mündlich weitergegeben. Im Gegensatz dazu trifft dies auf die christliche Liturgie überhaupt nicht zu, die wirklich von der Notation abhängig war, denn dort war es das Ziel, Melodien zu standardisieren.“

Inspiration in der Mikwe

Mikwe Speyer (Foto: Pressestelle, Avery Gosfield)
Die Speyerer Mikwe ist seit ihrer Errichtung vor 850 Jahren praktisch unverändert. Pressestelle Avery Gosfield

Dieses Dilemma will Avery Gosfield mit ihrem Projekt „A Soundscape for ShUm“ beheben. Aus der Hochzeit der SchUM-Gemeinden gibt es noch unzählige so genannte Pijutim, auf Hebräisch vorgetragene liturgische Gedichte. Von ihnen weiß man, dass sie im Gottesdienst gesungen wurden. Sie beschreiben oft die brutalen Massaker während der Kreuzzüge oder anderer Judenpogrome in den SchUm-Städten.

Um den liturgischen Gedichten eine Melodie zu geben, orientiert sich Avery Gosfield an anderen mittelalterlichen Liedern und mündlich überlieferten jüdischen Melodien. Inspiration für ihren „Soundscape for ShUm” holt sich Avery Gosfield in Speyer im mittelalterlichen Ritualbad. Dort sollen deshalb etwa in einem halben Jahr ihre Live-Performances mit dem Ensemble Lucidarium auf historischen Instrumenten stattfinden.

Musik Alte Lieder der Mannheimer Synagoge neu interpretiert – Aufführung bei Enjoy Jazz 2022

Der renommierte israelische Künstler und Musiker Emmanuel Witzthum arbeitet in Mannheim an einer spektakulären musikalischen Darbietung. Im Tonstudio kombiniert er Lieder eines alten Gesangbuchs der Jüdischen Gemeinde mit eigenen Kompositionen. Es singt der Kantor der jüdischen Gemeinde Mannheim, Amnon Seelig.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Jüdisches Leben Jerusalem am Rhein: SchUM-Städte und ihre Bedeutung

Seit Juli haben die SchUM-Städte Worms Mainz und Speyer UNESCO-Welterbe-Status. Kunscht! über ihre Bedeutung und im Gespräch mit Susanne Urban, Geschäftsführerin SchUM-Städte e.V..  mehr...

Kunscht! SWR Fernsehen

Stuttgart

Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Im Jahr 2021 feiert die Bundesrepublik Deutschland das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Aus diesem Anlass soll nicht nur gegen das Wiedererstarken des Antisemitismus gekämpft, sondern vor allem auch auf die vielfältigen Lebensrealitäten der Jüdinnen und Juden in Deutschland geblickt werden.  mehr...

Mainz

Welterbe Alte jüdische Zentren am Rhein – Die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz

SchUM leitet sich ab aus den hebräischen Namen von Speyer, Worms und Mainz: Dort entstand im Mittelalter der Verbund jüdischer Gemeinden, der Kultur, Religion und Geistesleben des europäischen Judentums entscheidend geprägt hat.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

STAND
AUTOR/IN