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Fans mussten acht Jahre auf Fiona Apples fünftes Album warten. Auf „Fetch The Bolt Cutters” zeigt sich die Sängerin, Pianistin und Produzentin kompromisslos und geht in den Texten oft machversessene Männer an. Das Album ist interessant – aber längst nicht ihr bestes.

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Die Sängerin, Pianistin und Produzentin Fiona Apple hat gerade mal fünf Alben in 24 Jahren veröffentlicht und ist auch sonst bekannt dafür, dass sie sich den Gesetzen des modernen Showbusiness nicht unterordnet.

Während viele Bands und Musiker*innen aktuell durch die Corona-Krise ihre Albumveröffentlichungen verschieben, beschloss Fiona Apple kürzlich, ihren Termin vorzuziehen und das Album vorab digital zu veröffentlichen. Es scheint, als wolle sie den Soundtrack zum aktuellen Ausnahmezustand liefern.

 Fiona Apple beim Music Festival in West Palm Beach 2006 (Foto: Imago, imago 76731973)
Fiona Apple beim Music Festival in West Palm Beach 2006. Seit Mitte der 90er Jahre gehört sie zu den wichtigsten Singer-Songwritern. Psychische Probleme, Alkohol- und Drogenkonsum haben ihre Karriere gezeichnet. Imago imago 76731973

Jazz von zart bis bedrohlich

Viele Songs sind roh und eher wild belassen mit markanten Rhythmen. Sie singt von einer nächsten zerbrochenen Liebe, thematisiert Situationen, die zur #Metoo-Debatte der letzten Jahre passen und davon, dass sie den Mund nicht oder nicht mehr halten will. Das alles tut sie mit ihrer unverkennbar kraftvollen und ausdrucksstarken Soul- und Jazzstimme, die manchmal zart und dann fast schon wieder bedrohlich stark klingt.

Aufregend – aber auch zu wenig ausgearbeitet

Fiona Apple könnte es sicherlich sich und zahlreichen Musikfans leichtmachen und eingängige Songs schreiben, das Klavier dauerhaft in den Vordergrund stellen und auf abrupte und unerwartete Tempiwechsel verzichten. Es scheint ihr aber herzlich egal zu sein, dass sie die Mainstream-Hörer*innen so nicht erreichen wird.

Fiona Apple bleibt ihrem Stil treu, anders zu sein als viele andere Musikerinnen. „Fetch The Bolt Cutters“ klingt daher in Teilen famos und aufregend, aber ab und an wirken die Songs zu sehr wie Fragmente und hätten etwas mehr ausgearbeitet werden können.

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