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Die Familiengeschichte des US-amerikanischen Musikers Mark Oliver Everett ist gespickt mit tragischen Vorfällen, die der mittlerweile 57-Jährige immer wieder mit seiner Band Eels musikalisch verarbeitet hat. Das neue Eels-Album „Earth To Dora“ ist keine Wundertüte geworden, aber bietet den Hörer*innen Geborgenheit.

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Schicksalsschläge sind die Inspiration des Song-Poeten

Es ist kaum zu fassen, welche Schicksalsschläge Mark Oliver Everett im Laufe seines Lebens ertragen musste: Als er 19 war, starb sein Vater vor seinen Augen an einem Herzinfarkt, wenig später tötete sich seine Schwester selbst, seine Mutter starb kurz danach an Lungenkrebs und seine Cousine war Stewardess im Flugzeug, das am 11. September 2001 ins Pentagon krachte.

Diese Lebensgeschichte hat Mark Oliver Everett mit seine Band „Eels“ immer wieder aufgearbeitet. Auch nach fast 20 Jahren sind Verlust und Trauer immer noch ein großes Thema in seiner Musik. Allerdings ist Everett, der sich selbst kurz „E“ nennt, keiner, der in Selbstmitleid versinkt. Auf jeder Eels-Platte finden sich immer Humor, Selbstironie und das, was man als Mut-Mach-Songs bezeichnen kann.

Den Mut nicht verlieren, ist die Devise

Dieses neue Eels-Album kommt allerdings zu einer Zeit, in der viele der positiven Dinge, für die Mark Oliver Everett immer einsteht – sich nahe sein, auch körperlich, das eigene Schicksal mit anderen teilen, nicht zu sehr in der Dunkelheit der Welt verschwinden – relativ kompliziert geworden sind. Trotzdem versucht E auch in Sachen Corona Mut zu machen – der Song „Are We Alright“ entstand in den ersten Tagen der Pandemie.

„Also ist es für uns alle weiterhin nur ein Wunschvorstellung, aber ich bin mir sicher, dass der Tag kommt, an dem wir mit diesem Song das Leben feiern können.“

Mark Oliver Everett alias E, Musiker

Zeitlose Platte nach bewährtem Rezept

„Are We Alright“ – ist auf diese Art der aktuellste Song der Platte – abseits davon verharrt E im Zeitlosen, Privaten. Allerdings ist er ein Meister darin, alten Themen wie Liebe und Verlust neue Facetten abzugewinnen.

Sonst ist alles wie gehabt: Melancholischer Gitarrensound mit viel Vibrato, Es rauchige Stimme, zurückgenommener, satter Bandsound und dann auch noch dieses klassische Stilmittel, das sich seit Jahrzenten durch die Musik der Eels zieht – die Verbindung von unbeschwerten Melodien mit düsteren Texten.

„Earth To Dora“ – im dreizehnten Album der Eels bleibt die große musikalische oder textliche Weiterentwicklung aus, stattdessen wird konsequent und mit hoher Qualität der bandtypische Stil durchgezogen. Ein musikalisches Universum, das man schon kennt, in das man sich zurückziehen kann und das Geborgenheit bietet – nicht mehr, aber eben auch kein bisschen weniger.

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