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Schauspielerin und Sängerin Liraz Charhi, geboren als Tochter iranischer Eltern in Israel, fand über die Musik zurück zum kulturellen Erbe ihrer Familie. Ihr Album „Zan“ hat sie zusammen mit iranischen Musikerinnen aufgenommen — heimlich, denn eigentlich ist der Kontakt mit dem Staatsfeind Israel im Iran strikt verboten.

Von Kindesbeinen an mit Musik umgeben

In ihrer Jugend wollte Liraz Charhi, die 1978 im israelischen Ramla geboren wurde, immer so israelisch wie möglich sein: Außer in ihrem Zuhause hatte die Tochter iranischer Eltern kaum Verbindung zu deren Herkunftsland und der persischen Kultur. Bereits mit fünf Jahren stand die Nichte der israelischen Popsängerin Rita auf der Bühne, probte, sang und tanzte — auf Hebräisch und Englisch.

Instagram-Beitrag von liraz_naz: Liraz Charhi blickt am Weltfrauentag auf ihre Geschichte zurück

Ihr künstlerisches Talent führte sie bis nach Hollywood, wo Charhi unter anderem in „Fair Game“ mit Naomi Watts und Sean Penn vor der Kamera stand, oder 2012 mit Philip Seymour Hoffmann in „Saiten des Lebens“. Derzeit ist sie auf Apple TV als Mossad-Agentin in „Teheran“ zu sehen.

Zurück zur persischen Kultur der Eltern

Bei einem Aufenthalt in den USA änderte sich für Liraz Charhi plötzlich einiges: In „Teherangeles“ — einem Viertel von Los Angeles, in dem vor vorwiegend iranisch-stämmige Menschen wohnen — erlebte sie zum ersten Mal den Teil ihrer selbst, den sie immer sehnsüchtig vermisst hatte. „Ich ging durch die Straßen von 'Teherangeles' und fühlte mich zum ersten Mal lebendig. Das Essen, die Kunst, die Geschäfte, die Nachbarschaft, und die Leute, die mit mir auf Farsi sprachen, das war unglaublich für mich“, erzählt sie.

Am meisten Eindruck machten auf Liraz Charhi aber die Musikläden im Viertel: „Als ich die Musikläden in 'Teherangeles' entdeckte, flippte ich aus.“ Sie begann wie besessen CDs mit iranischer Musik zu kaufen und Inspiration von Künstlerinnen wie Googoosh zu sammeln.

Liraz — „Zan Bezan“:

Eine Brücke aus Elektro-Pop

Ihre zuletzt veröffentlichten Alben „Naz“ und „Zan“ singt Liraz Charhi in Farsi. Beide sind eine Reise in ihre iranische Heimat — die Charhi bis heute nicht kennen gelernt hat. Mit beiden Werken hat die Künstlerin eine Brücke in den Iran gebaut, dem politischen Todfeind Israels: „Denn Zusammenarbeit“, so Charhi, „ist der einzige Weg, wie wir auf die politische Situation antworten können.“

Einige der Künstler*innen aus dem Iran, die mit Liraz zusammenarbeiten, müssen diese Kollaboration bis heute geheim halten — andere haben sich trotz der Repressionen entschieden, offen mit ihren Kontakten nach Israel umzugehen.

So klingt „Zan“ von Liraz Charhi:

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Liraz — „Nozi nozi“:

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