STAND
AUTOR/IN

Laut einer Studie von Statista beträgt der Durchschnittsverdienst deutscher Jazz-Musikerinnen und Musiker aktuell 1.357 Euro monatlich. Darüber kann der Trompeter Franco Ambrosetti nur milde lächeln. Denn zeitlebens fuhr der inzwischen 79-Jährige zweigleisig. Er ist tätig als erfolgreicher Künstler und als Unternehmer. Nun hat der Schweizer Jazzer beim Label Unit Records eine CD mit seinen Lieblingsballaden unter dem Titel „Lost within you“ veröffentlicht.

Audio herunterladen (3,6 MB | MP3)

Wie der Vater, so der Sohn

Mit Understatement und Coolness zelebriert Franco Ambrosetti einen Klassiker von Benny Carter. Der 79-Jährige hat nicht nur die Ruhe weg, sondern weiß genau, wie man jeden Ton und jede Phrase perfekt platziert.

Ambrosetti ist auf der Sonnenseite des Lebens aufgewachsen und gereift. 1941 wurde er im schweizerischen Lugano geboren und wie sein Vater Flavio ist er erfolgreicher Jazz-Musiker — und erfolgreicher Fabrikant. Eine Kombination, die der Vater seinem Sohn Franco dringend ans Herz legte.

„Ich bin kein Amateur in der Musik und kein Amateur in der Wirtschaft. Ich habe beides professionell gemacht. Ich glaube, man kann das, allerdings braucht es ein paar Elemente die wichtig sind. Das Wichtigste ist, dass Sie mal zunächst Talent haben für die Musik.“

Franco Ambrosetti

Qual der Wahl

Franco Ambrosetti erbte von seinem Vater nicht nur das Talent als Musiker, er sollte auch eine Fabrik erben, die mit Schweizer Präzision Räder und Fahrgestelle herstellte. Doch erst einmal wärmte der Begabte ein Trompetenmundstück an und studierte Musik.

Eine strenge Regelstudienzeit gab es damals noch nicht. Und so hat er ziemlich lange studiert und dabei hauptsächlich Trompete gespielt. Bis sein Vater eines Taqes sagte:

„Entweder bist du Musiker oder du bist Industrieller.“

Flavio Ambrosetti, Francos Vater

Musiker und Manager

Ab 1960 war Franco Ambrosetti beruflich zweispurig unterwegs. Er gab Konzerte in feinen Mailänder Jazz-Clubs und studierte parallel Ökonomie. Dann stieg er in das Unternehmen seines Vaters ein, das er viele Jahrzehnte erfolgreich leiten sollte.

„Die wenigsten Musiker, die ich kenne, haben eine Fabrik oder irgendeinen Beruf, wo sie dann erben können. Wenn sie kreativ sind, Talentierte sind, dann kann man beides organisieren.“

Franco Ambrosetti

Freiheit der Improvisation

Ambrosetti gewann bereits 1967 den ersten Preis beim internationalen Jazz-Wettbewerb in Wien und machte von da an Karriere. Sein Spiel war in jungen Jahren kraftvoll und wild und die Grenzüberschreitung immer wieder ein Thema für den Meister und Manager aus Lugano. Für Franco Ambrosetti ist Improvisation Freiheit, alles andere ist Vorgabe.

Sein Lebensmotto: „Der Weg ist das Ziel“

Die CD „Lost within you“ ist eine Zeitreise zu den Fixsternen des Künstlers. Dafür hat Franco Ambrosetti sein Netzwerk aktiviert und zur Aufnahme in ein New Yorker Tonstudio eingeladen. Gemeinsam mit Top-Künstler*innen wie etwa dem Gitarristen John Scofield oder Pianistin Renee Rosnes ist ein hörenswertes Album entstanden und spiegelt exemplarisch das Lebensmotto des Künstlers.

Jazz Hohe Trio-Kunst: „Being" mit Eyolf Dale, Per Zanussi und Audun Kleive

Das 2008 gegründete unabhängige Jazz-Label Edition Records hat sich innerhalb weniger Jahre den Ruf erworben, CD-Veröffentlichungen mit großem Engagement und Können umzusetzen. So vertraute nun auch der norwegische Komponist und Pianist Eyolf Dale mit seinem neuen Trio dem Label die Produktion seiner aktuellen CD „Being“ an. Der 1985 geborene, vielfach ausgezeichnete Künstler Dale zählt zu den Top-Jazz-Musikern seines Landes.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Jazz „Human“ vom Shai Maestro Quartett

Mit fünf Jahren bekam Shai Maestro Klavierunterricht – der Beginn einer großen Leidenschaft. Nach der Musikschule in Israel ging es an das Berklee College of Music in Boston und wieder zurück nach Jerusalem. Ab 2006 spielte er im Trio von Bassist Avishai Cohen, ab 2010 im eigenen Trio. Das hat Shai Maestro für sein sechstes Album um dem Trompeter Philip Dizack erweitert.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Jazz Geschichten ohne Worte: „Inner State“ von Ramón Valle

In den Stücken von Ramón Valle wird die perfekte Mischung aus Talent und klassischer Ausbildung hörbar. Wie der Name „Inner State“ schon andeutet, gibt der Pianist mit seinem Trio Einblicke in sein Innenleben. Ramón Valle kombiniert seine kubanische Herkunft mit Einflüssen aus Europa, wo er schon lange lebt. Mit seiner Musik erzähle er Geschichten, sagt er, Geschichten ohne Worte.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

STAND
AUTOR/IN