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Danger Dan hat keine Staatskrise ausgelöst wie ZDF-Moderator Jan Böhmermann mit seinem Erdogan-Gedicht. Doch auch der Deutschrapper hat die Grenzen der Kunstfreiheit ausgelotet. In seinem Klavieralbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ attackiert Danger Dan, bürgerlich Daniel Pongratz, die AfD und Publizisten der Neuen Rechten. Diese Musik ist beides: Liebe und Krawall.

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Ein Aufruf, sich Nazis entgegenzustellen - ohne Gewaltverherrlichung

Ein Rapper setzt sich an einen Flügel auf einer Theaterbühne, und schon wird ihm anders zugehört. Elf Klavierballaden hat Danger Dan komponiert. In der krawalligsten rechnet er mit Querdenkern, der Neuen Rechten und der AfD ab.

Im Prinzip sagt Danger Dan nicht viel anderes als schon mit seiner Band Antilopen-Gang, nur wie er singt, ist anders. Das Klavier verschafft ihm in seinem Kampf gegen rechts Gehör. Im Video zum Song setzt er sich mit Bomberjacke und Kalaschnikow in Szene. Keine Gewaltverherrlichung. Ein Aufruf, sich Nazis entgegenzustellen.

„Es gibt Momente, in denen ein Nazimob vor einer Geflüchtetenunterkunft steht und die Polizei nicht eingreift. Da ist es völlig in Ordnung, sich dazwischen zu stellen und Nazis mit Gewalt davon abzuhalten Gewalt auszuüben.“

Mit Penelope Cruz Sextouristen in Bangkok verprügeln

Da hält er es mit Albert Einstein, der sich selbst einen militanten Pazifisten nannte. Der sagte, er sei bereit, für den Frieden zu kämpfen. Bei Danger Dan heißt das: Du wirst Nazis nicht mit Flyern und Lichterketten aufhalten.

Der Vorwurf, Danger Dan beschönige Gewalt, ist absurd. Das kann nur sagen, wer seine Musik nicht aufmerksam gehört hat. Die Ironie drängt sich nur so auf, wenn er davon singt, wie ihm die Musiklegende Lou Reed rät, davonzulaufen und nochmal von vorne anzufangen. Oder er mit der Schauspielerin Penelope Cruz Sextouristen in Bangkok verprügelt.

Das Album „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ ist aber weniger eine Kampfansage als ein Bekenntnis zum Unangepasstsein. Was ihn, dessen Biografie von Misserfolgen geprägt ist, der neunmal von der Schule geflogen ist, glaubwürdig macht.

„In meiner Biografie war es wichtig auszubrechen und mich zu fragen: Was will ich eigentlich? Um mich am Ende dazu zu entscheiden, dass ich ein ganz normales Leben in Ordnung finde.“

Danger Dan bewegt sich zwischen Rap und Kleinkunst, zwischen Liedermachern wie Georg Kreisler, Hannes Wader und Herbert Grönemeyer. An sie kommt er nicht heran, aber das muss er auch nicht. Das Unperfekte macht ihn aus.

Danger Dan: „Das zärtlichste Album das ich je geschrieben habe“

Was er dem Terror von Rechts entgegensetzt? Die Liebe, so kitschig es klingt. „Das Album ist eh voll von Liebesliedern“, sagt er. „Wahrscheinlich das zärtlichste Album das ich je geschrieben habe.“

Danger Dan bricht mit allem: unseren Erwartungen und auch mit dem Kitsch: Wenn er nach lebensbejahenden Die-Kraft-deiner-Gedanken-wirkt-Wunder-Phrasen alles kurz und klein schlägt und vor Verzweiflung schreit. Diese Musik ist beides: Liebe und Krawall.

Gespräch Danger Dan über sein Lied ,,Alles von der Kunstfreiheit gedeckt": Kein Freibrief für Gewalt gegen rechts

Nach den heftigen Debatten um sein neues Album ,,Alles von der Kunstfreiheit gedeckt" rechnet Dan Danger nicht mit rechtlichen Schritten gegen ihn. ,,Ich glaube nicht, dass ein Anwalt oder eine Anwältin irgendwem empfehlen wird, juristische Schritte gegen mich einzuleiten", sagte der Rapper im Interview mit SWR2. ,,Das ist recht wasserdicht, was ich da gemacht habe." Leider herrsche im Feuilleton immer noch die Meinung vor, Rapper könnten zum gesellschaftlichen Diskurs nichts beitragen. Das sei so nicht korrekt. In seinen Texten würde er Gewalt keinesfalls als legitimes Mittel der Auseinandersetzung rechtfertigen. Auch wenn tatsächlich und tagtäglich in Deutschland Gewalt passiere. Seit den 1990er Jahren seien rund 200 Menschen von Neonazis getötet worden, so Danger. Der Rapper plädierte dafür, die Sorgen von Menschen ernst zu nehmen, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Orientierung von Rechten verfolgt würden. ,,Deren Sorgen muss man ernst nehmen, aber die von solchen Wutbürgern, die jede Woche in Dresden demonstrieren, die nicht." Die hätten nämlich kein Interesse daran, sich in gesellschaftliche Debatten einzumischen.  mehr...

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