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Im Jahr 2012 startete die Konzertreihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ und wurde gleich ein großer Publikumserfolg. In den „Heiligen Hallen“ der Berliner Philharmoniker bewiesen zeigten immer wieder ausgewählte Jazzmusiker*innen ihre anspruchsvolle Kunst. 2017 war mit Larry Coryell und Philip Catherine ein großartiges Gitarren-Duo zu Gast. Der wunderbare Live-Mitschnitt ist unter dem Titel „The Last Call“ beim Label ACT erschienen – ein Nachruf auf das legendäre Duo, denn nur wenige Wochen nach dem Konzert verstarb Larry Coryell.

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Zwei Gitarren-Altmeister im perfekten Unisono

Voller Vorfreude spendet das Publikum in der Berliner Philharmonie nur kurzen Applaus, ganz so, als wolle es den Auftritt der beiden Künstler nicht verzögern, sondern beschleunigen. Schon mit den ersten Takten von „Miss Julie“ lösen Larry Coryell und Philip Catherine dann auch die Erwartungen ein. Im perfekten Unisono stürmen die beiden Altmeister mit ihren Gitarren los.

Anfänge bei den Berliner Jazztagen 1976

Die CD „The Last Call“ ist genau am gleichen Ort entstanden, an dem die beiden Künstler vor vielen Jahren ihr Duo aus der Taufe hoben. Bei den Berliner Jazztagen 1976 spielten sie gemeinsam vor Publikum in der Philharmonie und die Kritik war begeistert.

Larry Coryell & Philip Catherine, Jazz at Berlin Philharmonic XI: „The Last Call" (Foto: Pressestelle, ACT Music)
Philip Catherine und Larry Coryell Pressestelle ACT Music

Larry Coryell, ein waschechter Texaner mit Jazzrock-Erfahrung, traf auf den zartbesaiteten Philip Catherine. Der Belgier ist ein Feingeist und eher mit der Musik von Django Reinhard sozialisiert.

Hohes technisches Können und gemeinsame Freude am Spiel

Die Freude am gemeinsamen Spiel habe über viele Jahre wie ein steter Ansporn gewirkt, sagt Philip Catherine. Doch die künstlerischen Voraussetzungen wären bei ihnen einfach auch ideal. Sie beide hätten das Talent und die Motivation gehabt, eine gute Technik auf der Gitarre zu entwickeln. Das Instrument verlange Musikern grundsätzlich ein großes Können ab.

„Im Duett muss jede Phrase, jede Artikulation bis ins kleinste Detail perfekt funktionieren. Erst wenn beide Interpreten ihr Instrument absolut beherrschen, kann man eine große Freiheit genießen.“

Philip Catherine

Musik von zeitloser Frische mit dem Drive alter Tage

1978 veröffentlichten Larry Coryell und Philip Catherine mit „Twin House“ ein herausragendes Studioalbum. Die Musik darauf ist von zeitloser Frische. In der Berliner Philharmonie zeigten die Altmeister, dass sie diesen Drive längst vergangener Tage immer noch abrufen konnten.

Das Treffen arrangiert hatte der Manager des Labels ACT, Siggi Loch. Sein Name zierte schon vor vierzig Jahren das erste Album des Duetts. Das Konzert in Berlin war also eine Art Jubiläum mit bester, handgemachter Musik.

Jan Lundgren, Lars Danielsson & Paolo Fresu als prominente Gäste

Den ersten Teil des Live-Albums bestreiten Larry Coryell und Philip Catherine, dann erst kommen drei musikalische Gäste mit ins Spiel. Das Konzert war also eindeutig auf die beiden Gitarristen fokussiert. Bei jedem Stück entwickelten sie mit wenigen Takten einen unwiderstehlichen Sog, der das Publikum hörbar begeisterte.

Kraftvolle Melodien, die den Leuten unter die Haut gehen

Für diese Wirkung hat Philip Catherine eine ebenso einfache wie überzeugende Erklärung: „Mich hat schon immer Django Reinhard und die Kraft seiner Melodien fasziniert. Ich bin ebenso von den Klassikern beeinflusst, ganz egal ob sie Rachmaninoff oder Tschaikowsky heißen. Von ihnen habe ich gelernt, dass alle guten Kompositionen nicht nur ein Fundament aus Groove und Akkorden brauchen, sondern auch eine Melodie, die den Leuten unter die Haut geht.“

„The Last Call“ - Nachruf auf ein legendäres Duo

Nur dreieinhalb Wochen nach der Konzertaufzeichnung in der Berliner Philharmonie ist Larry Coryell im Alter von 73 Jahren verstorben. „The Last Call“ ist also der Nachruf auf ein legendäres Duo. Mit diesem wunderbaren Live-Mitschnitt ist der rundum gelungen.

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