Popmusik

Streisand-Effekt? Konsumenten machen „Layla“ zum Sommerhit 2022

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Das Singlecover von „Layla“  (Foto: Universal Music)
„Wir sehen, dass ‚Layla' in den Nachrichten und Sozialen Medien aktuell so kontrovers diskutiert wird wie kaum ein anderer Song." (Dr. Mathias Giloth, Managing Director GfK Entertainment) Universal Music

Das wegen seines Texts umstrittene Ballermannlied „Layla“ von DJ Robin & Schürze ist nach Angaben des Instituts GfK Entertainment am 28. Juli der Sommerhit des Jahres 2022. Der als sexistisch kritisierte Song habe sich bei den Musikkonsumenten gegen internationale Kandidaten durchgesetzt, teilten die Konsumforscher mit. Seit fünf Wochen halte sich das Lied ohne Unterbrechung an der Spitze der deutschen Singlecharts und habe mittlerweile Goldstatus erreicht.

60 Millionen Abrufe

Bei den Streamingdiensten sei der Song über 60 Millionen Mal
abgerufen worden. „An 'Layla' führt in diesem Sommer kein Weg vorbei",
teilte die GfK Entertainment weiter mit. Mitte Mai war das Lied auf Platz 72 der Charts eingestiegen. Zwei Wochen später erreichte es die Top Ten und dürfte laut GfK Entertainment an diesem Freitag zum sechsten Mal in Folge auf Platz eins stehen.

Führte die Diskussion über das Lied zu dessen Erfolg?

Unklar ist, ob der Song ohne Aufführungsverbote und die mediale Auseinandersetzung über den Textinhalt so populär und nachgefragt geworden wäre. Wissenschaftler sprechen dabei von einem „Streisand-Effekt", wenn erst durch das Unterdrücken von Sachverhalten die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht wird.

Damit hätte die Diskussion über das Lied zu dessen Erfolg geführt.
Benannt ist das Phänomen nach der amerikanischen Schauspielerin Barbara Streisand, die mit juristischen Mittel das Verbreiten eines bis dato unbekannten Bildes ihres Hauses unterbinden wollte. Nach Bekanntwerden des Versuchs verbreitete sich das Bild explosionsartig im Internet.

Gesellschaft Debatte um Partyhit „Layla“ – Zu viel Aufregung um Sex und Saufen

Sogar der Bundesjustizminister, Marco Buschmann (FDP) sah sich veranlasst, in der Debatte um Aufführverbote des Party-Hits „Layla“ einzugreifen. "Eins zu viel“ sei das, so Buschmann auf Twitter. SWR2-Musikexperte Bernd Lechler findet das Liedchen von „DJ Robin und Schürze“ „...wirklich extrem doof und geschmacklos“. Allerdings versprühe jeder Gangstarapper „mehr toxische Männlichkeit“ als „Layla“. Bei Ballermann-Hits geht es, analysiert Bernd Lechler, immer nur um Sex und Saufen: „Auch Layla folgt diesem Stilprinzip des Doofen und Geschmacklosen – und zwar clever“. Das Aufführungsverbot bei den Volksfesten in Würzburg und Düsseldorf führe vermutlich dazu, dass „Layla“ noch für Wochen auf Platz 1 der Charts stehe. Immerhin weise die Debatte um den Song aber darauf hin, wie viel alltäglicher Sexismus in der Gesellschaft übersehen werde. Sein Fazit: Dass sich allerdings der deutsche Justizminister zur geilen „Layla“ einschaltet – das ist dann doch „eins zu viel“.  mehr...

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Kulturmedienschau Anspruch und Albernheit: Johannes Willms, Brezel Göring und das Layla-Verbot | 13.7.2022

Warum Anspruch und Albernheit für Johannes Willms kein Widerspruch waren. Wie Brezel Göring ohne Francoise Cactus klingt. Und: Würzburger Streit um Sexismus in Layla-Song.  mehr...

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