SWR2 Musikpassagen

Kontinuität durch Wandel – „Das Lumpenpack“ erfindet sich immer wieder neu

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Sie fingen in der Poetry-Slam Szene an und waren darin sehr erfolgreich: So lernten sich Jonas Frömming und Maximilian Kennel kennen. Die beiden schlossen sich 2012 zum Duo „Das Lumpenpack“ zusammen. Die stets kabarettistischen Auftritte begannen sie zunehmend musikalisch zu unterfüttern und nach mehreren Platten entschied man sich Anfang 2020, künftig als richtige Band auf die Bühne zu gehen.

Vom Duo zur fünfköpfigen Band

Das Lumpenpack – sich mit diesem Wort zu schmücken, ist schon an sich ein Hinweis darauf, dass da welche anders sein wollen. Jonas Frömming und Maximilian Kennel agieren in einem Grenzbereich agieren, den sie selber beständig neu abstecken: Poetry Slam, Comedy, Stand-up, Kabarett, Klamauk, Tiefsinniges; und jede Menge Musik, von ganz schön simpel bis ganz schön pfiffig. Das Wort „Lumpenpack“ mag altmodisch sein – das Lumpenpack selber ist es nicht.

Die berufliche Lebensplanung der beiden Künstler ging eigentlich in eine ganz andere Richtung: Der eine ist Psychologe, der andere Religionslehrer. Verantwortlich dafür, dass die beiden einen völlig anderen Weg einschlugen, war ein gemeinsamer Urlaub in Dänemark. Bloß nicht alleine mit den Eltern in den Norden, sagte der eine dem anderen. Und weil man einen guten Kumpel nicht im Stich lässt, fuhr der andere mit. Das hatte Folgen.

Das Lumpenpack — „Ford Fiesta“

Lieber Lust am Improvisieren als im Korsett der großen Fernsehbühne

Ein Intermezzo der besonderen Art startete im März 2017 als das Comedy-Fernsehformat „Nightwash“ das Lumpenpack als Hausband verpflichtete. Eigentlich eine gute Idee — nur die Dynamik im Fernsehen mit den beständigen Proben wurde Jonas Frömming und Maximilian Kennel dann irgendwann zuviel: „Irgendwann hatten wir so eine Routine, dass wir das konnten, aber der Fun dann nicht zurückkam in dem Moment, in dem dann das Publikum da war, das war so weg, das war verpufft. Und am Ende war es so mittel und alle haben gesagt, das versendet sich. Und dafür sind wir nicht angetreten.“

2017 gab es einen weiteren dramatischen Wendepunkt für das Lumpenpack. Mit „Guacamole“, einem fast zynischen Lied über die Tücken des Älterwerdens, hatten die beiden einen Volltreffer gelandet. Obwohl das Lied schon auf einem Album von 2015 war und ein zugehöriges Video seitdem online, explodierten plötzlich die Klickzahlen.

Das Lumpenpack — „Guacamole“

Das Internet als Ort für „sperrige Dinge“

Ganz aus dem Blauen kam es allerdings nicht. Max und Jonas hatten sich von Anfang an um stete Präsenz in den sogenannten „sozialen Medien“ bemüht, erklärt Jonas Frömming: „vor allen Dingen für unser Zeug, das eben einfach im Radio nicht stattfindet. Oder zumindest nicht in der Menge im Radio stattfindet, in der das einem die Arbeit ersparen würde, die man jetzt mit Social Media hat, und das dann, so unromantisch das klingt, in Klicks, Zahlen und Streams konvertieren kann. Also das ist einfach unser Medium. Also wir brauchen das Internet, weil: Das Internet ist der Ort für sperrige Dinge.“

Seit 2020 als fünfköpfige Band unterwegs

Der Entschluss, als vollwertige Band weiter zu machen, war dann nach einiger Zeit und weiteren Erfolgen gefasst. Eine letzte Tournee als Duo sollte sozusagen den endgültigen Abschied von der Kleinkunst besiegeln. Dann kam, wie erwähnt, etwas dazwischen, und dieses „etwas“ war Corona. Die Antwort des Lumpenpacks: ein Geisterkonzert, ähnlich wie die Spiele in der Fußball-Bundesliga, ohne Publikum. Ein Stadion ist es nicht gleich geworden; immerhin aber das Kölner Gloria-Theater, finanziert über ein Crowd-Funding.

Das Lumpenpack — „Das Quarantäne-Konzert“

Obwohl das Live-Spielen vor Publikum natürlich lange gefehlt hat, war das Lumpenpack nicht untätig — über einen Podcast mit Einblicken in die Studio-Arbeit und Streams, aber auch beim Studioaufnahmen. Dem Album „Eine herbe Enttäuschung“ von 2019 folgte ein Jahr darauf ein Live-Doppelalbum mit dem Titel „Halbzeit“ — und dann das neue „Emotions“: Ein Album in drei Teilen, der dritte folgt am 26.11.2021

Das Lumpenpack — „Warm im Altenheim“

Max Kennel, Jonas Meyer:
Intro, Track 1 / aus CD: Die Zukunft wird groß
Das Lumpenpack

Max Kennel, Jonas Meyer:
Rockpopcoverband, Track 5 / aus CD: Die Zukunft wird groß
Das Lumpenpack

Max Kennel, Jonas Meyer:
Heilpraktiker, Track 2 / aus CD: Die Zukunft wird groß
Das Lumpenpack

Max Kennel, Jonas Meyer:
Pädagogen, Track 9 / aus CD: Eine herbe Enttäuschung
Das Lumpenpack

Max Kennel, Jonas Meyer:
Guacamole, Track 5 / aus CD: Steil II
Das Lumpenpack

Max Kennel, Jonas Meyer:
Ford Fiesta, Track 4 / aus CD: Eine herbe Enttäuschung
Das Lumpenpack

Max Kennel, Jonas Meyer:
Wir sind zwei, Track I / 1 / aus CD: Halbzeit
Das Lumpenpack

Max Kennel, Jonas Meyer:
Track II / 1, Buntes Papier / aus CD: Halbzeit
Das Lumpenpack

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