Nachruf

„Prophet des Saxophons“ – Jazzsaxophonist Pharoah Sanders ist tot

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AUTOR/IN
Günther Huesmann

Er galt als der letzte Prophet des Saxophons. Seine Zusammenarbeit mit John Coltrane, seine Spiritualität, sein unbedingter Ausdruckswille und die „ekstatische Glut seines Saxophonspiels“ machten ihn weltberühmt – weit über die Jazzszene hinaus. Am 24. September ist Pharoah Sanders im Alter von 81 Jahren in Los Angeles verstorben.

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Sanders war einer Wegbereiter des Free Jazz, zudem nahm er eine Schlüsselrolle in der Avantgarde-Phase des Modern Jazz ein, sein letztes Album „Promises“ erschien 2021.

Schwierigkeiten in New York

Aufgewachsen ist Pharoah Sanders, gebürtig Ferrell Sanders, in Little Rock, Arkansas. Dies gab ihm auch seinen Namen in der San Fransico Bay Area: „Little Rock“. Ein Versuch 1961 in New York durchzustarten scheiterte, 1964 wurde er dann aber eingeladen, mit John Coltrane zu spielen. Es war eine handfeste Überraschung, als John Coltrane 1965 einen zweiten Saxofonisten in seine Band holte. War nicht es nicht Coltrane, der das Optimum an Intensität darstellte?

Jetzt aber nahm er einen Bläser an seine Seite, der eine nur noch immer stärkere Energie fand. Sanders blies das Saxofon mit einer solchen Wucht, mit der er selbst die wildesten und unglaublichsten Klänge auf dem Instrument realisierte. An ihnen steigerte sich Coltrane und verausgabte sich völlig. Coltrane dagegen wusste genau, was er an Sanders hatte, er liebte die Überzeugungsstärke mit der Sanders blies.

„Er hat Willen und Spirit, - Qualitäten, die ich am meisten bei einem Menschen mag.“

Farrell wurde zu Pharoah

Bevor Sanders sich der New Yorker Jazzavantgarde anschloss, hatte er in Rhythm & Blues-Bands in Kalifornien gespielt – und dort gelernt, sein Saxofon ekstatisch zu überblasen.
Hartnäckig hält sich in der Jazzliteratur das Gerücht, es sei Sun Ra gewesen, der Sanders den Künstlernamen „Pharoah“ gab. Der Saxofonist hat das dementiert. Es war seine Großmutter, die seinen Vornamen so ungewöhnlich aussprach, dass aus  „Farrell“ ein Gottkönig, ein „Pharoah“, wurde.

Spiritualität im Zentrum des Jazz

Danach ließ Sanders den revolutionären Furor des Free Jazz zurück. Doch die ekstatische Glut seines Sounds blieb. Nur kombinierte er sie mit eingängigen Ostinati und lyrischen Melodien. Kommerziell erfolgreich war er mit den Alben, die er um 1970 für das Label „Impulse“ aufnahm. Seinen eigenen Stil hat er nach Coltrane ausgeprägt.

Sanders stellte Spiritualität ins Zentrum seiner Jazzsprache. Seine Musik ist friedvoll, vom Gebet geprägt, alles dreht sich um Liebe. Zugleich triumphiert bei Sanders ein pan-globaler Holismus: Er improvisierte mit japanischen Kotospielern und afrikanischen Trommlern. Er feierte die Musiken anderer Kulturen als hypnotische Kraftquellen für seine Saxofonausbrüche.

Seine hymnische Komposition „The Creator Has A Master Plan“ von 1969 gehört neben John Coltranes „A Love Supreme“ zu den wenigen Stücken des 60er-Jahre-Jazz, die weit über die Jazzgemeinde hinaus populär wurden.

„Ich bin kein besonders technischer Spieler. Vielleicht sogar kein so intellektueller Spieler wie andere Musiker. Was ich tue ist: ich drücke mich aus.“

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Von Bert Noglik  mehr...

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