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Als Grégoire Maret im Alter von 17 Jahren das erste Mal eine Mundharmonika in die Hand nahm, war er so sehr von dem Instrumente begeistert, dass er in der Schule in die Musikklasse wechselte, um sie richtig spielen zu lernen. Als er später beschloss, Profimusiker zu werden, beeindruckte sein Mundharmonikaspiel Jazzer wie Steve Coleman, Pat Metheny oder Herbie Hancock, deren Sideman er war. 2012 gründete der Schweizer Musiker seine eigene Band und hat nun sein viertes Album „Americana“ vorgelegt.

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„Mich ziehen Melodien an und ich habe das Gefühl, dass das eine verloren gegangene Kunstform ist. Viele Leute wissen nicht mehr, wie man eine Melodie spielt und singt. Das war jedenfalls mein Gefühl.
Ich wollte also Melodien bewahren. Anfangs wollten wir uns Songs aus dem Pop- Repertoire suchen oder etwas, was wir seit unserer Kindheit kannten und liebten, aber niemals wirklich gespielt haben.“

Grégoire Maret

Inspiriert von amerikanischer Musik

Der 45-jährige Musiker ist seit seiner Kindheit ein Fan der amerikanischen Musik. Der Sohn eines Schweizer Banjospielers und einer afroamerikanischen Mutter besuchte in seiner Jugend oft Verwandte in den USA, begeisterte sich für Pop- und Rockmusik, R&B, Country und Blues.

Und so hat auch der Song „Wichita Lineman“ des amerikanischen Songwriters Jimmy Webb den Weg auf das neue Album gefunden. Doch nachdem sich Grégoire mit seinem Pianisten Romain Collin auf die Hälfte der Songs für „Americana“ geeinigt hatte, war ihm klar, dass noch etwas fehlte.

„Wir wussten, dass wir selbst einige Songs schreiben mussten, aber die sollten den Anforderungen der Platte entsprechen, also ein bestimmtes Gefühl vermitteln, bestimmte Klänge und Farben erkunden. Da habe ich dann diesen Song 'Back home' geschrieben. Er sollte einfach sein und eine Art Gospelgefühl vermitteln.“

Grégoire Maret

Musik als politisches Statement

Drei der neun Songs auf dem Album stammen aus der Feder Grégoire Marets, zwei vom Pianisten Romain Collin und zwei vom Gitarristen Bill Frisell – ein Garant für eingängige Melodien und einfühlsame Improvisationen.

Insgesamt stehen alle Stücke in der musikalischen Tradition der USA, strahlen innerer Ruhe, Gelassenheit und Hoffnung aus. Sie sind für den Mundharmonikaspieler Maret aber auch ein politisches Statement.

“Es ist eine Art Erinnerung an das, was Amerika war, als wir Kinder waren und aufwuchsen. Für uns war da ein Gefühl von Einheit. Wir alle reagieren empfindsam auf das, was derzeit geschieht. Aber als wir mit dieser Platte weit vorher anfingen, waren das auch schon schwierige politische Zeiten. Wir wollten etwas dagegenhalten, ein Gefühl von Einigkeit und Zusammengehörigkeit vermitteln. Wir wollten diese Zeit der Spaltung überwinden.“

Grégoire Maret
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