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Das kleine Label „Traumton Records“ in Berlin spezialisiert sich seit zwanzig Jahren auf die Veröffentlichung herausragender Weltmusik- und Jazz-CDs und konnte arrivierte Künstler gewinnen. So auch das deutsch-libanesische Quartett Masaa. Fans mussten drei Jahre auf eine Neuveröffentlichung warten. So lange, dass sich inzwischen die Besetzung des Ensembles geändert hat und sich in neuer Klangästhetik präsentiert.

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„Ich lausche meinem Universum. In der Stille der Welt höre ich das Echo meiner Gedanken.“

Rabih Lahoud

Mit diesen poetischen Zeilen erhebt der Sänger Rabih Lahoud seine Stimme. Das Ensemble Masaa umspielt ihn dabei kunstvoll mit Rhythmen und Klängen, die irgendwo zwischen Orient und Okzident zu verorten sind.

Libanesischer Sänger meets Jazztrio aus Dresden

Die Geschichte des Ensembles ist schnell erzählt. Im Jahr 2012 begegnete der Sänger-Poet aus dem Libanon einem jungen, deutschen Jazztrio aus Dresden. Der Funke sprang sofort über und man gründete ein Quartett mit dem Namen Masaa.

Am Anfang stand das Problem, trotz ganz unterschiedlicher musikalischer Biografien eine gemeinsame Sprache zu finden. Der libanesische Sänger Rabih Lahoud brachte sich jedenfalls nicht mit 100, sondern gleich mit 150 Prozent ein.

Besondere Erinnerungen an die Heimat

Die Natur-Impressionen, die er im Libanon erlebt habe als Kind und Jugendlicher, erzählt Rabih Lahoud, wolle er in Deutschland auf die Bühne bringen. Die Erinnerung an seine Heimat verbindet er mit Pinienwäldern, mit Zedernwäldern, mit ganz viel besonderer Natur.

„Mit dem Meer, mit dem Schnee, mit Baalbak, einer wunderschönen, alten, römischen Ruinenstadt in einem riesigen Feld. Das ist mein Land, wo ich eigentlich herkomme, bis ich neunzehn war"

Rabih Lahoud

Studien in großer Bandbreite

Rabih Lahoud, der bereits im Libanon Klavier und Gesang studiert hatte, setzte das in Deutschland mit weitem Horizont fort. Komposition bei Manfred Trojahn, Improvisation bei Markus Stockhausen, populärer Gesang bei Janet Williams.

Nur so kann man die Bandbreite verstehen, die der Sängerpoet in das Ensemble Masaa einbringt. Für den Trompeter Marcus Rust etwa ist das auch heute noch ein inspirierender Overkill.

„Das sind wir Deutsche erst einmal gar nicht so gewöhnt. Aber da habe ich ganz bewusst versucht, mich anstecken zu lassen und lerne immer noch. Da ist Rabih Lahoud mein größter Meister!"

Marcus Rust

Der große Wunsch von Rabih Lahoud ist es, den Menschen seine Sprache näher zu bringen und die Art, wie das Quartett Masaa Musik macht: seine Heimat, der Libanon, soll lebendig werden.

Faszinierende Brücke zwischen den Musikwelten

„Irade“ ist die vierte Veröffentlichung des Quartetts und mit ihr hat es auch eine neue Richtung eingeschlagen. Gründungsmitglied und Pianist Clemens Pötzsch ging überraschend von Bord, dafür stieg Reentko Dirks mit seiner Doppelhalsgitarre ein. Sie eröffnet dem Ensemble einen ganz neuen Klanghorizont. Dirks kann damit auch im Vierteltonbereich spielen und baut so eine faszinierende Brücke zwischen den Musikwelten.

Irade heißt Willenskraft

Den Titel der CD übersetzt das Quartett mit „Willenskraft“. Davon mangelt es bei dieser Neuveröffentlichung in keiner Sekunde. Mitreißendes ist angesagt, aber auch sehr poetische Reflexionen über das Zusammenleben und den Austausch unterschiedlicher Kulturen.

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