SWR2 Musikpassagen

International Music – Die Ente lässt grüßen

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Die Ente ist gut zu Wasser, zu Land und in der Luft. Ein Hybridwesen, wenn man so will, ähnlich wie „International Music“, die stilistisch Anleihen bei wer weiß wem zu psychedelischen Alltagsstillleben formen. „Ententraum“ heißt das zweite Album der Trioformation aus Essen. Die für den Herbst 2021 geplante Deutschlandtour wurde auf Anfang 2022 verschoben.

Ein musikalischer Trip in psychedelische Welten

Der Eröffnungssong verbindet die Geräuschkulisse eines mitteleuropäischen Mischwaldes mit psychedelischen Sixtiesgitarren und Orgeln. Eine männliche Stimme schiebt sich ins Hörbild und verkündet „Wenn ich wüsste, was in der Kiste ist, küsste ich dich, den Fürst Metternich“. Jemand, der sich als Gedankenzähler vorstellt, tritt auf. Man kommt sich vor wie Alice im Wunderland, bloß dass einem kein weißes Kaninchen, keine Grinskatze, kein verrückter Hutmacher als nächstes begegnet.

International Music — „Der Traum der Ente“:

Musik als Stillleben

Stattdessen trifft man den „Wassermann“, absolviert die „Höhle der Vernunft“, ein „Museum“, die „Insel der Verlassenheit“ und will irgendwann bloß noch „Raus aus dem Zoo“. Ständig verschieben sich Perspektive und Wahrnehmung. Gegründet wurden International Music 2015 von Peter Rubel, ehemals Musikstudent der Folkwang Universität, sowie Pedro Goncalves Crescenti, Absolvent der Ruhr-Universität Bochum in den Studienfächern Germanistik und Anglistik. Beide kommen ursprünglich aus Mainz.

Weltgewandtheit braucht keine Weltmetropole als Herkunftsort, herausragende kreative Leistungen gedeihen genauso gut in den Randbezirken. Die Idee, die Songtexte könnten sozusagen erzählte Stillleben sein, drängt sich geradezu auf. Der dritte Mann, Joel Roters, ist Maler.

Nach „Die besten Jahre“, ist „Ententraum“ das zweite Album von International Music. Nebenher betreiben Rubel und Crescenti eine Splittergruppe namens The Düsseldorf Düsterboys, die mit „Nenn mich Musik“ ihr Albumdebüt gaben.

Musik-Multitalente im Ruhrpott

Das regionale Flair ihrer Wahlheimat findet seinen Ausdruck nicht in Songs über die städtische Kultur der Kioske, die in Essen Büdchen heißen, nicht in Songs über Fußballgucken, Kneipegehen oder den Niedergang der Schwerindustrie in den neunziger Jahren.

Die Distanz zu Populärmusikhotspots wie Berlin, erst recht zu London oder New York, erlaubt es, einen eigenen Rhythmus zu finden. International Music wollen keinem gefallen, suchen nicht Anschluss an irgendeinen Trend, sie verarbeiten psychedelische Einflüsse zu etwas, das es so noch nicht gab im Rock deutscher Sprache.

Titel in dieser Sendung:



Pedro Goncalves Crescenti, Peter Rubel:
Du Hund
International Music

Pedro Goncalves Crescenti, Peter Rubel:
Country Girl
International Music

Pedro Goncalves Crescenti, Peter Rubel:
Kopf der Band
International Music

Pedro Goncalves Crescenti, Peter Rubel:
Mama Warum?
International Music

Pedro Goncalves Crescenti, Peter Rubel:
Farbiges Licht
International Music

Pedro Goncalves Crescenti, Peter Rubel:
Cool Bleiben
International Music

Peter Rubel, Pedro Goncalves Crescenti:
Teneriffa
Düsseldorf Düsterboys

Peter Rubel, Pedro Goncalves Crescenti:
Fürst Metternich
Düsseldorf Düsterboys

Peter Rubel, Pedro Goncalves Crescenti:
Misery
International Music

Peter Rubel, Pedro Goncalves Crescenti:
Insel der Verlassenheit
International Music

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