Pop

„Abscheulicher Bastard“ – Oliver Sim von The xx geht auf „Hideous Bastard“ hart mit sich ins Gericht

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AUTOR/IN
Christiane Falk
KÜNSTLER/IN
Oliver Sim

Oliver Sim, Sänger und Bassist der erfolgreichen Londoner Indieband The xx, hat ein Soloalbum veröffentlicht. Die Songs auf „Hideous Bastard“ klingen weniger beatlastig und voluminös als die seines Bandkollegen Jamie XX. Oliver Sims vielseitige Indiepop-Songs überzeugen durch schonungslos ehrliche Texte. Ganz offen thematisiert er seine Homosexualität und seine Angst und Scham in Bezug auf seine HIV-Infektion.

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Oliver Sims offenbart seine Unzulänglichkeiten

„Ich bin hässlich“ - mit diesen Zeilen eröffnet Oliver Sim sein Soloalbum. Er will sie weder als Koketterie, noch als Selbstmitleid verstanden wissen.

„I am ugly“ soll ein Kontrapunkt zu den Aussagen vieler anderer Musikschaffender sein, die in ihren Texten gerne Lebensberatung geben. „Sei du selbst“ oder ähnliches singen sie – damit kann Oliver Sim nichts anfangen.

Eine schonungslose Reise zu sich selbst

Er will kein Vorbild sein, sich aber auch nicht verstecken. Selbst als berühmter Mensch, der von vielen angehimmelt wird, gebe es genügend Tage, an denen er sich nicht schön fühle, und das sei ganz normal.

Sein Soloalbum „Hideous Bastard“ versteht er als Reise zu sich selbst. Bevor er zu anderen ehrlich und offen war, musste er das erstmal sich selbst gegenüber sein. Die Musik habe ihm dabei enorm geholfen. Statt in einen Dialog zu treten, habe er die Solosongs und Texte dazu genutzt, sich zwischen Schonungslosigkeit und Wahrhaftigkeit zu offenbaren.

Seit 15 Jahren mit HIV infiziert

 „Hideous“, übersetzt „abscheulich“ heißt der Song und das Album gar „abscheulicher Bastard“. Engstirnige, intolerante Menschen mögen ihn als schwulen, HIV-infizierten Menschen so abfällig bezeichnen, für Oliver aber ist mit diesem Album das Versteckspiel der eigenen Identität erledigt.

Seit er 17 Jahre alt ist, weiß er um seine Krankheit und teilt sie nun 15 Jahre später der Öffentlichkeit mit. Während der Arbeiten an „Hideous Bastard“ hat Oliver mit etablierten Sängern Kontakt aufgenommen, die in unterschiedlichen Jahrzehnten ihr Outing als homosexueller Mann hatten und sich mit ihnen ausgetauscht.

Unterstützung von Jimmy Somerville und Jamie XX

Mittlerweile verbindet ihn mit dem Amerikaner John Grant eine Brieffreundschaft, genau wie mit dem früheren Sänger von Bronski Beat und The Communards, Jimmy Somerville. Ihn konnte Oliver Sim dazu bewegen, auf drei Songs des Albums mitzuwirken.

Auch Jamie XX habe ihn auf seinem Soloalbum immer wieder musikalisch unterstützt, und auch mit Romy Craft habe er sich regelmäßig ausgetauscht. Das Soloalbum von Oliver Sim bedeute daher nicht das Ende der Band The xx, erklärt er.

Tanzbare Songs mit Pop-Appeal

Oliver Sim gelingt mit „Hideous Bastard“ ein Indiepop-Album mit großem Pop-Appeal. Im weniger kargen Soundgewand als bei The xx zeigt er tanzbare Songs. Die Themen Angst und Scham stehen dabei in Kontrast zu den oft leicht und locker anmutenden Melodien, die zusammen mit äußert emotionalen Balladen einen gelungenen Mix bilden.

Die Magie und Einzigartigkeit von The xx erreicht Oliver Sims solo zwar nicht, in Kombination mit den offenherzigen Texten, die besonders jungen Erwachsenen mit Selbstzweifeln eine Stimme verleihen, kann „Hidoeus Bastard“ dennoch überzeugen.

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