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Wohlkalkulierter Schwachsinn trifft auf großes musikalisches Können: Helge Schneider ist die unangefochtene Kultfigur des deutschen Entertainments. Wie kein anderer verbindet er Klamauk mit Kreativität und gibt sich auf der Bühne ganz der Improvisation hin. Zu seinem 65. Geburtstag zeigen wir Ihnen ein paar witzige Youtube-Filmchen aus Helge Schneiders Schaffen, die kein Auge trocken lassen.

Helge Schneider 1999 (Foto: Imago, Horst Galuschka)
Wer auf improvisierten Nonsens-Humor und Jazzmusik steht, dürfte sich bei Helge Schneiders Bühnenshows bestens amüsieren. Imago Horst Galuschka Bild in Detailansicht öffnen
Improvisation ist ein wesentlicher Bestandteil der Kunst von Helge Schneider. Vor 65 Jahren wurde der Künstler am 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren. Imago HMB-Media Bild in Detailansicht öffnen
Sein musikalisches Talent zeigt sich früh. Mit fünf Jahren bringt er sich das Klavierspielen bei, mit zwölf lernt er Cello. Imago BRIGANTI-ART Bild in Detailansicht öffnen
Mit 16 bricht er die Schule ab, ohne einen Abschluss gemacht zu haben. Wegen seiner besonderen Begabung kann er 1972 am Duisburger Konservatorium ein Klavierstudium beginnen. Dieses zieht er aber auch nur zwei Semester lang durch. Imago Manfred Siebinger Bild in Detailansicht öffnen
Helge Schneider ist Multiinstrumentalist. Es gibt kaum ein Instrument, das er nicht beherrscht: Er spielt Saxophon, Vibraphon, Marimbaphon, Akkordeon, Gitarre, Geige, Hawaiigitarre, Blockflöte, Schlagzeug, Trompete, Hammond-Orgel, Cello und Kontrabass. Imago Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Seinen ganz großen Durchbruch hat Helge Schneider 1994. Bei „Wetten, dass…?“ performt er seinen heutigen Kult-Hit „Katzeklo“ und ist über Nacht einem Millionenpublikum bekannt. Imago teutopress Bild in Detailansicht öffnen
Das zugehörige Doppelalbum „Es gibt Reis, Baby“ räumt die Goldene Schallplatte ab. Imago Rau Bild in Detailansicht öffnen
Doch Helge Schneider war vorher schon erfolgreich. Seit 1977 widmet er sich ganz der Musik, spielt in Bands, komponiert für Filmproduktionen und begleitet Stummfilme. Imago teutopress Bild in Detailansicht öffnen
1989 gibt er sich den Beinamen „Die singende Herrentorte“ und tourt mit seiner ersten eigenen Bühnenshow durch Deutschland. Gekonnt verbindet er Klamauk und Parodie mit Jazzmusik. Das Publikum feiert ihn! Imago teutopress Bild in Detailansicht öffnen
Helge Schneider hat mehrere Spielfilme gedreht — auch sie sind voller Nonsens: Absurde Charaktere, klamaukiger Humor. „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“ erscheint 1993. Imago Prod.DB Bild in Detailansicht öffnen
Für seinen Film „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“ konnte Helge Schneider Christoph Schlingensief als Co-Regisseur gewinnen. Imago teutopress Bild in Detailansicht öffnen
Die beiden kannten sich bereits aus früheren Filmproduktionen Schlingensiefs. Die Arbeit des Kultregisseurs war eine wichtige Inspirationsquelle für Helge Schneider. Imago Prod.DB Bild in Detailansicht öffnen
Wie in seinen Bühnenshows wird auch in Helge Schneiders Filmen zum größten Teil improvisiert und die Sehgewohnheiten der Zuschauer*innen werden strapaziert. 1997 erscheint „Praxis Dr. Hasenbein“. Imago United Archives Bild in Detailansicht öffnen
Seine bekannteste Filmrolle ist die des Adolf Hitlers in Dani Levys Film „Mein Führer“ von 2007, der kontrovers diskutiert wurde. Helge Schneider war mit dem fertigen Film nicht glücklich und sagte das auch öffentlich. Imago Everett Collection Bild in Detailansicht öffnen
In dieser Zeit gibt Helge Schneider rund 150 Konzerte im Jahr, in denen er improvisiert, persifliert und das Publikum mit Klamauk und Musik zum Toben bringt. Imago VIADATA Bild in Detailansicht öffnen
2011 wird Helge Schneider mit dem Großen Karl-Valentin-Preis geehrt, der herausragende Kabarettist*innen auszeichnet. Die Laudatio hält Schneiders langjähriger Freund Alexander Kluge. Imago Hoffmann Bild in Detailansicht öffnen
2013 steigt er mit dem Album „Sommer, Sonne, Kaktus“ nochmal ganz oben in die Charts ein. Imago Eßling Bild in Detailansicht öffnen
Helge Schneider sorgte für Schlagzeilen, als er während des Corona-Lockdowns verkündete, seine Karriere sei vorerst vorbei. Er hat seine Ankündigung nicht wahrgemacht: Der Ticketverkauf für seine kommende Tour „Die Wiederkehr des blaugrünen Smaragdkäfers“ hat bereits begonnen. Imago Future Image Bild in Detailansicht öffnen

Helge Schneiders Bühnenshows sind außergewöhnlich: absolut albern und doch niemals flach. Ungezwungen bewegt sich der Musiker, Schauspieler und Kabarettist in seiner Kunst zwischen Babysprech und Hochkultur, zwischen Intellekt und Klamauk — erweist sich gleichzeitig jedoch stets als tiefgründiger Beobachter.

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„Fitze, fitze, fatze“ in unzähligen Variationen

Helge Scheiders Arbeit besteht fast ausschließlich aus Improvisation. Die Songs und Liedtexte sind dabei oft nur Gerüste, die er live neu variiert und weiterentwickelt:

Der Meister der Persiflage

In seinen Bühnenshows tritt Helge Schneider mit anderen Profimusikern in unterschiedlichen Formationen auf. Mit Pete York, Sandro Giampeitro, Rudi Olbrich, Sergey Gleithman und Bodo Österling tourte er 2008 sehr erfolgreich unter dem Titel „AKOPALÜZE NAU!“ durch die Republik.

Dazu gehörte auch 2009 ihre Showeinlage bei der Deutschen Comedypreis-Verleihung. Kein Auge im Publikum dürfte trocken geblieben sein, als Helge Schneider mit seiner Band eine wunderbare Persiflage auf das Schlager-Genre ablieferte: „Die Trompeten von Mexiko“

Helge Schneider parodiert Beethoven

Helge Scheider legt den Fokus in seinen Programmen heute wieder mehr auf den Schwerpunkt Jazzmusik. Das breite Publikum liebt seine Konzerte jedoch weiterhin vor allem wegen der absurden Geschichten und Schauspieleinlagen.

Besonders beliebt: Helge Scheiders Parodien. Wie kein zweiter imitiert der Kabarettist und Schauspieler bekannte Musikerkollegen wie Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer – seine Paraderollen. Besonders gern schlüpft der Profimusiker Schneider auch in die Rolle Beethovens und imitiert Spiel und Statur des Komponisten.

Hier gehts zum zweiten Teil des Sketchs.

Der letzte Dadaist? Helge Schneider und Alexander Kluge

Alexander Kluge und Helge Schneider verbindet eine intensive Freundschaft sowie die Kreativität. Schneider sei „einer der letzten authentischen Dadaisten“ würdigte der bekannte Publizist den Kabarettisten anlässlich dessen 60. Geburtstags.

Die Kunst des spontanen Kabaretts zelebrieren Kluge und Schneider gemeinsam. In regelmäßigen Treffen entstehen improvisierte Sketch-Interviews, in denen der eine vom anderen nicht weiß, was ihn erwartet.

Hier etwa spricht „Erwin Tacke“ über seinen Berufswechsel vom Delikatessmetzger zum Militärschrottverwerter:

Auch während des Corona-Lockdowns blieben Schneider und Kluge produktiv und publizierten ihre humorvollen Videointerviews auf Youtube.

Neues Album „Mama“ erscheint

Sowieso scheint Helge Schneider im Corona-Lockdown kreativ gewesen zu sein. Neben der Sketche mit Alexander Kluge veröffentlichte er auch diesen Quarantäne-Song.

Noch im Mai hatte Helge Schneider per Videobotschaft angekündigt, seine Karriere vorerst an den Nagel zu hängen: Unter Corona-Bedingungen werde er nicht auftreten.

Doch nun ist die nächste Tour bereits in Planung und ein neues Album gibt es auch: „Mama“ erscheint am 28. August. Die Fans dürfen aufatmen.

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