SWR2 Musikpassagen

Gilles Peterson – Porträt eines Gesamtkunstwerkers

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Von Frank Sawatzki

Radiomoderator, Labelmacher, Kurator, Musikforscher, Buchautor und DJ – für das, was Gilles Peterson seit 35 Jahren auf verschiedenen Ebenen rund um die ihn begeisternde Musik auf die Beine stellt, müsste eigentlich ein neues Wort erfunden werden. Eines, welches das Gesamtkunstwerk seiner Aktivitäten zusammenfasst. Peterson tauchte in zentralen Momenten der Pop-Geschichte auf, als es darum ging, der Entwicklung von Soul, Funk und Jazz einen Schub zu geben. Er hat mit seinen Zusammenstellungen einem europäischen Publikum brasilianische und kubanische Musik auf Platte und live nah gebracht. Und er mischt all die Stile und die zu ihnen gehörenden Geschichten in seinen global gefeierten Radiosendungen – in den letzten Jahren auf seinem eigenen Kanal Worldwide FM.
Los ging alles mit der Basisausrüstung eines DJs in den eigenen vier Wänden, als eine Eltern einmal für ein Wochenende ausgeflogen waren. Seine Karriere vor dem Mikrofon begann bei einem Londoner Piratenradiosender, bald arbeitet er für die BBC, später sagte er einmal, dass Djing der Kern all seiner Aktivitäten geblieben sei. Wenn der Brite mit dem französischen Background neue Sounds in seinen Sendungen vorstellt, hat das heute Gewicht in der Szene.
Als Mitgründer des Labels Talkin' Loud verschaffte Peterson Drum & Bass Anfang der 1990er Gehör, auf seinem Label Brownswood veröffentlicht er seit 2006 eine weit darüber hinausgehende Auswahl von Musiken. Aktueller Schwerpunkt ist die junge Jazzszene in seiner Wahlheimat London, auf die er ein Loblied im Interview singt:

„London ist immer in der Vorwärtsbewegung, die Stadt hält dich zu jeder Zeit wach, London steht für großartige Musik, gleich, ob das Punkrock, Dubstep, House oder Drum & Bass war. Und jetzt ist das der Jazz.“

Frank Sawatzki

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