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Geschichten ohne Worte: „Inner State“ von Ramón Valle

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In den Stücken von Ramón Valle wird die perfekte Mischung aus Talent und klassischer Ausbildung hörbar. Wie der Name „Inner State“ schon andeutet, gibt der Pianist mit seinem Trio Einblicke in sein Innenleben. Ramón Valle kombiniert seine kubanische Herkunft mit Einflüssen aus Europa, wo er schon lange lebt. Mit seiner Musik erzähle er Geschichten, sagt er, Geschichten ohne Worte.

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Temperament und Musikalität

Wenn Ramón Valle in die Tasten greift ist keine Magerkost angesagt. Temperament und Musikalität ergeben bei ihm eine leicht entzündliche Mischung. Das sei kein Wunder, erzählt der 1964 auf Kuba geborene Pianist, denn sein Vater war ein bekannter Trompeter und seine Mutter Musiklehrerin. Sie habe ihn ermutigt, sein Talent zu nutzen.

„Aber ich hatte fünf ältere Schwestern und wir besaßen nur ein Klavier. So musste ich halt immer warten, bis ich an der Reihe war. Am Konservatorium in Havanna habe ich dann ernsthaft klassisches Klavier studiert."

Schon während seines Studiums tourte Ramón Valle erfolgreich mit angesagten, kubanischen Jazz-Formationen. Dann verließ er sein Heimatland.

Traumziel Europa

Der junge Pianist ging jedoch nicht wie viele seiner Musiker-Kolleg*innen in die USA. Sein Traumziel: Europa. Denn er wusste, dass sich seine Musik nur dort entwickeln können würde. Seit 1998 lebt Ramón Valle nun in Amsterdam, ein glücklicher Zufall.

„Mein Wunsch ging in Erfüllung und ich habe Anschluss an eine sehr offene Szene gefunden.“

Klassische Ausbildung und Talent ergeben den eigenen Stil

Nach und nach entwickelte Ramón Valle seinen eigenen Stil, den man auf der neuen CD mehr denn je hören kann. Da ist sein kubanischer Background — aber auch der Mut, ihn zu überwinden. In den ruhigen Stücken klingt dagegen immer noch die vorzügliche, klassische Ausbildung des Pianisten durch. Ramón Valle begnügt sich bei klassischer Musik allerdings nicht damit, perfekt das zu spielen, was in den Noten steht.

„Wenn ich zuhause klassische Musik übe, beginne ich immer wieder unwillkürlich die Harmonien zu verändern. Ich füge hier und da etwas ein und habe einfach Vergnügen dabei.“

Lebendige Aufnahme eines regen Innenlebens

Die Lufthoheit, die sich Ramón Valle nach und nach erspielte, kommt bei der neuen Produktion „Inner State“ wunderbar zum Tragen. Wie der Titel der CD nahelegt, spiegelt der Pianist damit sein hochkomplexes Innenleben. Dazu agieren Jamie Peet am Schlagzeug und Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass auf gleicher Wellenlänge.

Das Trio scheut sich jedenfalls nicht vor einer Achterbahn der Gefühle. Aufgezeichnet wurde die CD bei zwei Konzerten im Theaterstübchen in Kassel und im Porgy & Bess in Wien. Die Live-Atmosphäre vor Publikum macht die Aufnahme umso lebendiger.

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