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Von Wilm Hüffer

Kulturschock in den 1960ern 50 Jahre Beatles "White Album"

Die Beatles, George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und Ringo Starr sitzen 1968 nach der Aufnahme des White Album auf einer Wiese. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Foto: Apple Corp Limited)
Von Wilm HüfferDie Beatles gehören heute zu den größten Musikern der Geschichte. Das "White Album" von 1968 gilt als Höhepunkt ihres Könnens. Als die Beatle-Mania Anfang der 60er nach Deutschland schwappte, war die Begeisterung allerdings nicht ungeteilt. Das konservative Deutschland rümpfte die Nase und fürchtete um die Jugend.Auf dem Bild: George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und Ringo Starr (v.l.n.r.) 1968 nach der Aufnahme des "White Album". picture-alliance / dpa - Foto: Apple Corp Limited
Dabei wirkt die Begeisterung auf den frühen Beatles-Konzerten von Anfang der 60er ziemlich vertraut, nicht anders als auf jedem anderen x-beliebigen Pop- oder Rock-Konzert. SWR -
Im konservativen Deutschland dieser Zeit sorgten solche Konzerteindrücke dagegen für einen echten Schock. Der SWF fragte in einem Fernsehbeitrag von 1966 ernsthaft, ob diese Jugendlichen noch normal seien. SWR -
Waren also nicht Bands wie die Beatles an diesem neuartigen Vagabundentum schuld? Was sollte daraus werden, lautete die zweifellos mit echter Besorgnis gestellte Frage. SWR -
Alles halb so wild, fanden schon 1964 hellere Köpfe, wie der Soziologe Thomas Simey. Er sagte frei heraus: "Ich bin dafür, dass sich junge Menschen amüsieren. Es gibt jetzt 400 musikalische Gruppen in Liverpool. Es ist good clean fun! Und es ist wirklich schöpferisch.“ SWR -
Die britische Polizei beobachtete sogar, dass die Zahl der Straftaten Jugendlicher im musikbegeisterten Liverpool deutlich zurückging. Inspector MacFall 1964 zum SWF: "Sie gehen alle zusammen in diese Clubs. Sie haben etwas anderes zu tun, als auf der Straße zu kämpfen. Ihre Begeisterung für die Musik ist größer als die für Schläge." SWR -
Eine andere Kritik allerdings war langlebiger. Sie lautete, die Band wolle einfach nur Geld machen. Beatles-Manager Brian Epstein versuchte damals zu beschwichtigen: "Natürlich haben sie Freude daran, gut zu leben. Aber sie sind keine Geschäftsleute, keine geldgierigen Jungs, überhaupt nicht." SWR -
Dass die Beatles einfach nur Musik machen wollten, dürfte sogar stimmen. Der kommerzielle Erfolg blieb dennoch nicht aus. Das White Album von 1968 wurde zum Höhepunkt des Beatles-Erfolgs – vor der Trennung der Band. SWR -
Sich allerdings zu amüsieren zu wollen – mit Musik und "good clean fun" – das hat Jugendlichen seit den Beatles niemand mehr zum Vorwurf gemacht. SWR -
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