STAND
INTERVIEW

Seit über 30 Jahren steht Funny van Dannen als Sänger und Songwriter auf der Bühne – teilweise vor bis zu 600 Leuten im Publikum. Ein einsamer Job, der emotionale Stabilität erfordere, sagt der Liedermacher in SWR2.

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Die Einsamkeit des Rampenlichts ist Funny van Dannen gewöhnt. Wenn der Liedermacher auf der Bühne steht, hat die Aufmerksamkeit von teils hunderten Menschen ganz für sich allein.

„Man steht mit seiner Seele direkt vor dem Publikum. Wenn man stabil ist, ist das schön, aber es gibt auch Phasen im Leben, in denen es nicht so rund läuft“, sagt der Liedermacher in SWR2. „Die Leute bekommen dann sofort mit, was Sache ist.“

Der Alltag als Stichwortgeber

Auf unnachahmliche Weise erzählt Funny van Dannen (bürgerlich: Franz-Josef Hagmanns-Dajka) in seinen Songs von absurden Alltagsbeobachtungen, die dann doch Sinn ergeben. Seine Songs tragen seltsame Titel –„Schilddrüsenunterfunktion“ und „Eurythmieschuhe“.

Die wichtigste Inspiration für seine Texte sei dabei immer der ganz gewöhnliche Alltag, so Funny van Dannen. „Der Nachbarin verdanke ich viele Songtitel. Einmal rief sie: ‚Maria, hast du deine Eurythmieschuhe?‘ Ein anderes mal kam sie hoch und fragte: ‚Versteht ihr was von Vögeln?‘ Manchmal höre ich einen Begriff und habe dann den sportlichen Ehrgeiz, daraus ein Lied zu machen.“

Die Toten Hosen lieben van Dannen

Die Songs von Funny van Dannen inspirieren wiederum anderen Musiker*innen in Deutschland. Die Toten Hosen übernehmen immer wieder Lieder des Songwriters in ihrem eigenen Repertoire.

„‚Frauen dieser Welt‘ war nicht der beste Song für die Hosen. Die Ironie transportiert sich nicht.“

Funny van Dannen

Zwischen ihm und den Toten Hosen gebe es tatsächlich gewisse Schnittpunkte, sagt Funny van Dannen, wenn auch nicht viele. „‚Frauen dieser Welt‘ war vielleicht nicht der beste Song für die Hosen. Die Ironie transportiert sich nicht so, denn die Art zu singen ist sehr verschieden.“

Position beziehen gegen Rechts

Auf seiner aktuellen CD „Alles gut Motherfucker“ schlägt Funny van Dannen politische Töne an. „Schau einfach in den Spiegel / und dann schlag kräftig zu“ heißt es in „Jemand blutet“, einem Song über rechte Schläger.

„Ich habe auch vor 20 Jahren schon politische Lieder geschrieben, doch damals war rechte Gewalt noch nicht so präsent in den Medien. Die Verhältnisse werden schlimmer und auf diese Entwicklung muss ich in meinen Songs reagieren.“

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