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Am 10. Juni 2021 vor 90 Jahren, im Jahr 1931, wurde der brasilianische Gitarrist und Sänger João Gilberto geboren. Neben Antônio Carlos Jobim gilt er als Erfinder des Bossa Nova — eine Musik, die die goldenen Jahre Brasiliens zelebriert und weltweit für Copacabana-Stimmung sorgt.

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Die Geburtsstunde des Bossa Nova

Es war der Juli 1958, als João Gilberto, ein bis dahin völlig unbekannter Musiker, im Odeon-Studio von Rio de Janeiro auflief und „Chega de Saudade“ von Tom Jobim einspielte, übersetzt „Nie wieder Sehnsucht“. In diesen 1 Minute 59 Sekunden vertonte Sehnsucht präsentierte sich ein Rhythmus, der die Welt veränderte.

Es war die Geburtsstunde des Künstlers und eines völlig neuen Musikstils: der Bossa Nova — eine federleichte Mischung aus entschleunigtem Samba und Cool-Jazz-Elementen.

„Chega de saudade“ von João Gilberto:

„Ich war vollkommen verrückt nach dieser Neuheit, nach dieser Poesie, die etwas Klassisches hatte und gleichzeitig über ganz gewöhnliche Dinge sprach. „Chega de Saudade“ hat mein Leben verändert.“

Ein Künstlerleben mit Höhen und Tiefen

João Gilberto soll den synkopisch-wispernden Sound im Badezimmer seiner Schwester, fern von Rio im Bundesstaat Minas Gerais, entwickelt haben. Mitte der 1950er Jahre hatte sich Gilberto dorthin zurückgezogen. Der hochtalentierte Künstler war launisch, rauchte Unmengen von Marihuana, schlief bei Freunden auf der Couch und rutschte in die Depression.

Im Bad seiner Schwester fand er wieder zu sich selbst und zu seinem unverwechselbaren Klang. Zurück in Rio de Janeiro bildete er mit Antônio Carlos Jobim und Vinicius de Moraes das magische Trio des Bossa Nova, das Generationen von Musiker*innen inspirierte.

„Er warf seine Stimme nicht einfach nach vorne, er benutzte nicht sein ganzes Volumen. Er sang wie mit einem Schalldämpfer. Diese Art zu singen, charakterisiert seine Persönlichkeit ein. Sie gibt seiner Musik eine große Leichtigkeit.“

Girl from Ipanema und die goldenen Jahre Brasiliens

Die 1960er Jahre waren die goldenen Jahre Brasiliens und der Bossa Nova wurde zum Soundtrack dieses neuen Lebensgefühls. In dieser Aufbruchstimmung gab sich eine junge weiße Mittelschicht an Rios berühmten Stränden einer sommerlichen Leichtigkeit hin.

Mit dem Song „Girl from Ipanema/Garota de Ipanema“ (das Mädchen von Ipanema) schwappte der Bossa Nova Anfang der 1960er-Jahre auch in die USA. João Gilberto und seine Freunde Tom Jobim und Vinicius de Moraes nahmen dort zusammen mit dem Saxofonisten Stan Getz sein Album auf. An der Seite von Gilberto ist auch seine damalige Frau Astrud zu hören, die ihn später für Getz verließ.

„Girl from Ipanema“ wurde zu einem großen Hit, Künstler*innen wie Frank Sinatra, Madonna oder The Supremes nahmen ihn neu auf und in der Jazz-Szene entwickelte er sich zum Standard.

„The Girl from Ipanema“ live gespielt von Astrud Gilberto und Stan Getz:

Ein Lebensabend in Armut

Ende 1979 kehrte Gilberto nach Rio de Janeiro zurück. Einen seiner letzten Auftritte hatte er 2008 in Salvador da Bahia. Die letzten Jahre lebte er vereinsamt und hoch verschuldet in Rio de Janeiro. Geblieben ist der Bossa Nova: Er hat bis heute einen festen Platz, nicht nur in Brasilien.

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